
Der Leuchtturm für den Bevölkerungsschutz in der Gemeinde Grünheide (Mark), auch Katastrophenschutz-Leuchtturm genannt, ist fertiggestellt und kann ab sofort im Notfall eingerichtet werden. Sein Standort ist die Löcknitzhalle auf dem Löcknitzcampus, die durch einen Anbau erweitert wurde – für dieses Angebot sowie den gewachsenen Platzbedarf von Schule, Hort und Vereinsleben. Eine detaillierte Information über den Zweck und seine Ausstattung wird es zum Campustag am 5. September geben. Ein Informations-Flyer ist bereits erschienen und wird an den üblichen Punkten in der Gemeinde ausgelegt, unter anderem im Wartebereich der Meldestelle im Grünheider Rathaus. Zudem ist eine flächendeckende Verteilung im Herbst über „Heide aktuell“ geplant.
Der Leuchtturm ist keine ständige Einrichtung
Wichtig zu wissen: Der Leuchtturm ist keine ständige Einrichtung. Erst bei einem Katastrophenfall, der mutmaßlich länger als 72 Stunden anhält, wird er aktiviert. Dann ist es künftig Aufgabe der Ortswehr Neu Mönchwinkel, aus dem im neuen Feuerwehrhaus vorgesehenen Lager die Ausstattung zum Campus zu bringen und die Station binnen zwei bis drei Stunden aufzubauen. Wie Tobias Thieme von der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz der Gemeinde erläutert, hat der Leuchtturm klar definierte Funktionen: Er dient als Meldestelle für Notfälle, hier kann sich aufgewärmt, das Handy aufgeladen, selber mitgebrachtes Essen zubereitet und Trinkwasser gezapft werden. „Es gibt keine Versorgung, dafür ist jeder selber zuständig und muss entsprechende Vorsorge treffen. Hier wird jenen geholfen, die sich zu Hause nicht behelfen können. Alles, was sie dafür benötigen, bis hin zum Geschirr fürs Essen, muss mitgebracht werden.“ Zudem gibt es Not-Toiletten.
Mögliche Szenarien – ein lang anhaltender Stromausfall oder Großbrand
Ein mögliches Szenario, wann der Leuchtturm in Betrieb geht, ist ein anhaltender Stromausfall (Blackout), wie es ihn zum Beispiel Anfang des Jahres in Berlin gab. Denkbar wäre auch ein Großbrand im Wald, der zur Evakuierung von Siedlungsgebieten führt. Sollte der Platz in der Löcknitzhalle nicht ausreichen, würden zusätzlich in den Ortsteilen Info-Punkte eingerichtet. Diese bieten zwar keinen Aufenthaltsort, sind aber Anlaufpunkte, um Strom fürs Handy zu bekommen, Informationen einzuholen und Notfälle zu melden. „Anhaltspunkt für die Inbetriebnahme des Katastrophenschutz-Leuchtturmes kann sein, dass eine mindestens 72-stündige Dauer des Vorfalls absehbar ist und der Landrat oder wenn auf das Gemeindegebiet begrenzt, der Bürgermeister, die Inbetriebnahme anordnen“, erläutert Tobias Thieme.
Amtsleiterin Anne-Kathrin Rochow übernimmt vor Ort die Leitung
Für den Betrieb des Leuchtturms sind Mitarbeiter der Gemeinde, aus dem Hauptamt und dem Amt für Bildung, Soziales und Kultur, vorgesehen und werden entsprechend geschult. Die Leitung vor Ort wird in den Händen von Amtsleiterin Anne-Kathrin Rochow liegen. Zudem werden zwei Mitarbeiter aus der Stabsstelle Brand- und Bevölkerungsschutz beziehungsweise dem Ordnungsamt mit einer Ersthelfer- und einer Digitalfunkausbildung, beide sind im Ehrenamt Feuerwehrleute, das Team verstärken.
Kinderbetreuung nur im Ausnahmefall
In Ausnahmefällen soll es auch eine Kinderbetreuung geben, aber nur für Eltern, die selbst in systemrelevanten Berufen tätig und somit unabkömmlich sind. „Dazu gehören Krankenschwestern, Ärzte, Armeeangehörige, Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Mitarbeiter der Energieversorgung“, nennt Thieme einige Beispiele.
Schrittweise Aufbau der Notwasserversorgung
Mit dem Leuchtturm verfügt die Gemeinde nun über eines der fundamentalen Puzzleteile im Bevölkerungsschutz. Tobias Thieme kündigt zudem an, dass für 2028 die Anschaffung des Gerätewagens Logistik 2 geplant ist, der dann in Neu Mönchwinkel stationiert wird und die Ausstattung für den Bedarfsfall komplettiert. Und schrittweise wird in den kommenden Jahren eine Notwasserversorgung für alle Gemeindeteile sichergestellt. Dazu soll es künftig an ausgewählten Plätzen Handschwengelpumpen geben, über die Gartenwasser gezapft werden kann. Die auf den kommunalen Friedhöfen vorhandenen Pumpen werden, falls sie defekt sind, wieder auf Vordermann gebracht. „Das Wasser kann dann abgekocht und durch die Gabe von Entkeimungstabletten genießbar gemacht werden. Das gilt übrigens auch für das Wasser aus der Spree und unseren Seen.“ Für die Tabletten muss natürlich jeder selbst sorgen. „Wie für die angeratene Ausstattung im Haushalt, die für das Überleben in Krisensituationen notwendig ist. Auch hierfür halten wir das entsprechende Informationsmaterial vor.“ (Anke Beißer)
Zum Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ und Checklisten, herausgegeben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, geht es hier.
