Großer Erfolg für die kleinen Spreespatzen – Kita ist erste „Marte Meo“-Kita in Oder-Spree

Jetzt können es alles sehen: Die Spreeauer Kita „Spreespatzen“ ist eine zertifizierte Marte Meo-Kita. Leon (5) und Leano (vier) durften Hausmeister Robert Kurzhals (von links) beim Anschrauben des Schildes helfen. Foto: Anke Beißer
Jetzt können es alle sehen: Die Spreeauer „Spreespatzen“ sind eine zertifizierte Marte Meo-Kita. Leon (5) und Leano (vier) durften am Dienstag (1. September) Hausmeister Robert Kurzhals (von links) beim Anschrauben des Schildes helfen. Foto: Anke Beißer

„Mich hat beeindruckt, was kleine Gesten für den Moment machen“, fasst Beatrice van den Brandt-Schuster, die Leiterin der Spreeauer Kita „Spreespatzen“, ihre erste Begegnung mit „Marte Meo“ zusammen. Dahinter verbirgt sich ein pädagogisches Konzept, dem eine von der Niederländerin Marua Arts entwickelte Methode zugrunde liegt. Hierbei geht es kurz gesagt darum, dem inneren Entwicklungspotenzial eines jeden Kindes Raum zu geben.

„Aus eigener Kraft“

Kennengelernt hat die Pädagogin „Marte Meo“, was aus dem Lateinischen übersetzt „aus eigener Kraft“ bedeutet, schon 2022 bei einer der turnusmäßigen Leiterrunden beim Landkreis Oder-Spree. Ihre heutige Mentorin, Daniela Mischnik-Sonntag, hatte dazu referiert und die Spreeauer Chefin das Gehörte seither nicht mehr losgelassen. Im Jahr darauf fuhr das komplette vierköpfige Team der kommunalen Einrichtung nebst der Auszubildenden als Weiterbildungstag zum Marte Meo-Fachtag nach Berlin. „Das, was mich so fasziniert hatte, ich aber nicht in Worte fassen konnte, wurde hier für alle deutlich.“ Auf die Begeisterung folgte schon einen Monat später der Kontakt zur Trainerin, die das Team fortan für zwei Jahre begleiten sollte.

Im März 2025 auf den Weg gemacht

Aufbauend auf grundlegendes Wissen zu Marte Meo folgten die praktischen Übungen sowie eine Hospitation bei der Marte Meo-Kita in Altranft. So wie das Team die Methodik immer mehr zu der ihren machte, wurden auch die Eltern mitgenommen. Im März 2025 stand für alle der Wunsch fest: „Wir wollen die erste Marte Meo-Kita im Landkreis Oder-Spree werden.“

Neues Aushängeschild: Die Spreeauer Kita „Spreespatzen“ darf sich jetzt zertifizierte Marte Meo-Kita nennen. Sie ist die erste im Landkreis Oder-Spree mit diesem Siegel. Logo: Gemeinde Grünheide (Mark), Foto/Montage Anke Beißer
Neues Aushängeschild: Die Spreeauer Kita „Spreespatzen“ darf sich jetzt zertifizierte Marte Meo-Kita nennen. Sie ist die erste im Landkreis Oder-Spree mit diesem Siegel. Logo: Gemeinde Grünheide (Mark), Foto/Montage: Anke Beißer

Das ist mit der Übergabe des Siegels nunmehr Wirklichkeit geworden. Es macht die „Spreespatzen“ stolz, beschert ihnen ein Alleinstellungsmerkmal – und es macht sie reicher. Reicher, was ihr Handwerkszeug anbelangt, das den ihnen anvertrauten Kindern optimale Entwicklungschancen bieten soll.

Nuancen in der Körpersprache, Betonen und Stärken

Es ist nicht ganz einfach, das Konzept zu erklären. Es geht um Nuancen in der Körpersprache, es geht um das Betonen von Stärken und Erfolgen statt um die Problemanalyse, um das Festhalten und Hervorheben „gelungener Momente“, die Zuwendung mehr durch Blicke als durch Worte und Taten, das Benennen von Gefühlen und kindlichen Initiativen sowie das eigene Zurücknehmen in der Interaktion mit den Kindern. Dabei spielen das Beobachten und Reflektieren eine herausragende Rolle. Dies wird technisch durch das Aufnehmen kleiner Videosequenzen unterstützt – natürlich mit Zustimmung der Eltern und nur für den internen Gebrauch. Die Videos werden analysiert und ausgewertet, was einen nicht unbeträchtliche Aufwand bedeutet.

Mate Meo-Element „Folgen – Gefühle benennen“: Clara (3) hat sich ein Bild angeschaut. Eine Entdeckung lässt sie jubeln. Erzieherin Raphaela Scherfling nimmt diese Freude auf und gibt dem Gefühl einen Namen. Foto: Maria Fleischer
Marte Meo-Element „Folgen – Gefühle benennen“: Clara (3) hat sich ein Bild angeschaut. Eine Entdeckung lässt sie jubeln. Erzieherin Raphaela Scherfling nimmt diese Freude auf und gibt dem Gefühl einen Namen. Foto: Maria Fleischer
Mate Meo-Element „Folgen - Handlungen benennen“: Die Erzieherin Janin Wagner hat Leano (4) gerade gesagt, as er soeben gemacht hat. Er freut sich über die Aufmerksamkeit, die ihm somit geschenkt wird. Beide lächeln. Foto: Maria Fleischer
Marte Meo-Element „Folgen – Handlungen benennen“: Die Erzieherin Janin Wagner hat Leano (4) gerade gesagt, was er soeben gemacht hat. Er freut sich über die Aufmerksamkeit, die ihm somit geschenkt wird. Beide lächeln. Foto: Maria Fleischer

Was das mit den Kinder macht? Beatrice van den Brandt-Schuster sagt, es stärke das Selbstbewusstsein, es mache die Kinder sensibler, sie fühlen sich gesehen, bekommen mehr Aufmerksamkeit und kommen mehr aus sich heraus. Auch die stillen. Und das trotz Regeln und Grenzen, die letztlich Sicherheit geben.

Mate Meo-Element „Sichere Atmosphäre“: Die Erzieherin Beatrice van den Brandt sitzt mit einem einladenden Gesicht, zugewandter Haltung und Blickkontakt bei Chloe (2). Das Mädchen erwidert das mit ebensolcher Offenheit und Freude. Foto: Maria Fleischer
Marte Meo-Element „Sichere Atmosphäre“: Die Erzieherin Beatrice van den Brandt-Schuster sitzt mit einem einladenden Gesicht, zugewandter Haltung und Blickkontakt bei Chloe (2). Das Mädchen erwidert das mit ebensolcher Offenheit und Freude. Foto: Maria Fleischer
Mate Meo-Element „Positives Leiten“: Für Ludwig (3) ist es gar nicht so einfach, die Regenhose anzuziehen. Erzieherin Raphaela Scherfling bestärkt ihn aufmunternden Gesten und Worten, ohne fordernd oder belehrend zu sein. Seinen Erfolg feiern sie zusammen und er bekommt ein nuanciertes Feedback. Foto: Maria Fleischer
Marte Meo-Element „Positives Leiten“: Für Ludwig (3) ist es gar nicht so einfach, die Regenhose anzuziehen. Erzieherin Raphaela Scherfling bestärkt ihn mit aufmunternden Gesten und Worten, ohne fordernd oder belehrend zu sein. Seinen Erfolg feiern sie zusammen und er bekommt ein nuanciertes Feedback. Foto: Maria Fleischer

Den Hut für die Profilierung hat die Leiterin einer Kollegin aufgesetzt, die inzwischen nicht nur – wie alle im Team – ausgebildete Marte-Meo-Praktikerin ist, sondern die Qualifikation als Trainerin erlangt hat. „Ich habe dafür Maria Fleischer gewinnen können, die von Natur aus mehr die Beobachterin ist.“ Sie sei an der Aufgabe, die sie etwas zweifelnd begonnen hat, sehr gewachsen. „Ich bin so stolz auf sie. Und sie auf sich.“ Denn sie hat nicht nur die Weiterbildung auf sich genommen, sondern letztlich mit dem binnen drei Monaten zusammengebastelten, halbstündigen Bewerbungsvideo dem Erfolg die Tür geöffnet. „Unsere Fachberaterin, Daniela Mischnik-Sonntag, war ganz aus dem Häuschen, als sie nur eine Woche nach der Abgabe mit einem Sonnenblumenstrauß in der Tür stand und freudestrahlend sagte: ,Ihr habt es geschafft!‘“

Rückenwind vom Träger

Für die kleine Einrichtung mit derzeit nur zwei Dutzend Kindern – zehn Plätze sind aktuell frei – ist das eine große Sache. Rückenwind gab es dafür vom Träger und von den Eltern, die ihre Bereitschaft erklärt haben, den Weg mitzugehen, die der neuen Methodik ebenso neugierig und aufgeschlossen gegenüberstanden wie das Kita-Team und die sich sogar schon das eine oder andere für zu Hause abgeschaut haben. (Anke Beißer)

Am Samstag, den 26. September, lädt die Kita „Spreespatzen“, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr, zum Tag der offenen Tür in seine Einrichtung an der Sieverslaker Straße 2 ein.