Vom Wimmelbild über Gespräche bis zum originellsten Teller – Begegnungswoche in Grünheide

Eine Woche voller Begegnungen: Auf dem Marktplatz können bis zum Sonntag (30. August) Toleranzräume erkundet werden. Foto: Tobias Lindh/Montage: Anke Beißer
Eine Woche voller Begegnungen: Auf dem Marktplatz können bis zum Sonntag (30. August) Toleranzräume erkundet werden. Foto: Tobias Lindh/Montage: Anke Beißer

Der Marktplatz von Grünheide zeigt sich in dieser Woche von einer ganz neuen, einer sehr bunten und abwechslungsreichen Seite. In einem schwarzen Container verbirgt sich unter der Überschrift „Toleranzräume“ ein Erlebnisraum, der zeigt, wie ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft gelingen kann. Und das für alle Generationen und barriere-arm. Es geht darum, den Blick für den Nachbarn zu öffnen, das Verständnis füreinander zu fördern und so die Gemeinschaft, den respektvollen Umgang miteinander zu stärken. Und all das frei von jeglicher Parteipolitik. Die muss draußen bleiben.

„Die, die sich darauf eingelassen haben, waren überrascht.“

Wer den Schritt in den Container wagt, wird von einem Wimmelbild überrascht. Es zu entdecken, in die Szenerie einzutauchen und sich mit ihr nicht nur oberflächlich auseinanderzusetzen, nimmt einige Zeit in Anspruch. „Die, die sich darauf eingelassen haben, waren überrascht, welch tiefgründige Gespräche sich aus der Betrachtung entwickelt haben“, sagt Marieke Petersohn, Vorsitzende vom GrünheideNetzWerk, die die Ausstellung nach Grünheide geholt hat und die Gemeinde für die Schirmherrschaft gewinnen konnte. „Die Gleichstellungsbeauftragte Inga Haustein hat uns sehr unterstützt.“

Unerwartet perfekte Atmosphäre

Das gegenseitige Zuhören, sich Austauschen und so (besser) Kennenlernen sei eines der Anliegen des Projektes. Und das habe schon gleich bei der Eröffnung, genauer gesagt bereits davor, prima funktioniert. „Bevor es losging, wurden die Besucher gebeten, sich planlos zur Musik zu bewegen. Als diese verstummte, sollte die zufällig gegenüberstehende Person freundlich begrüßt werden. Es gab Gelächter, es gab ein fröhliches Hallo für Bekannte, aber auch für jene, die sich bis dahin unbekannt waren. Es war eine unerwartet perfekte Atmosphäre für einen tollen Auftakt“, erzählt die Grünheiderin begeistert.

Auftakt am Sonntag (23. August): Dem Start in die Begegnungswoche wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit dabei waren: Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Inga Haustein, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, Minister René Wilke, Marieke Petersohn vom GrünheideNetzWerk, Pamela Eichmann, Ortsvorsteherin von Grünheide sowie Albrecht Köhler, ebenfalls GrünheideNetzWerk (von links). Foto: Maurice Heilmann
Auftakt am Sonntag (23. August): Dem Start in die Begegnungswoche wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit dabei waren: Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Inga Haustein, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, Minister René Wilke, Marieke Petersohn vom GrünheideNetzWerk, Pamela Eichmann, Ortsvorsteherin von Grünheide sowie Albrecht Köhler, ebenfalls GrünheideNetzWerk (von links). Foto: Maurice Heilmann

Den haben dann der Löcknitzchor, der Chor der evangelischen Kirche und der Kageler Chor gemeinsam eingeläutet. Zu den Rednern, die auf die Begegnungswoche einstimmten, gehörten neben René Wilke, Brandenburgs Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, auch Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e. V.) – die mit dem Verein Toleranztunnel die Ausstellung auf die Beine gestellt hat –, sowie Pamela Eichmann, Ortsvorsteherin von Grünheide.

Drei werden eins: Der Chor der evangelischen Kirche, der Löcknitzchor Grünheide und der Kageler Chor haben die Auftaktveranstaltung begleitet. Foto: Cornelia Walter
Drei werden eins: Der Chor der evangelischen Kirche, der Löcknitzchor Grünheide und der Kageler Chor haben die Auftaktveranstaltung begleitet. Foto: Cornelia Walter

Danach konnte eingetaucht werden in die facettenreiche Welt der Toleranz. Aktionen, Musik, Gespräche und offene Angebote – all das macht die Woche der Begegnung aus. Es geht dabei um die Erfahrung, dass sich durch ein Miteinander statt ein Gegenüber die Gesellschaft kitten lässt. Noch bis einschließlich Sonntag gibt es jeden Tag eine Führung, der sich ohne Voranmeldung angeschlossen werden kann. Gruppen können eine individuelle Führung buchen. Nach dem GrünheideQuiz am Montag und dem Treffen mit dem Ortsbeirat sowie der Feierabendunterhaltung mit dem Kenia-Musikprojekt am Dienstag wird am Mittwoch (26. August) ab 17 Uhr mit der Stephanus-Stiftung das Älterwerden thematisiert. Zudem gibt es einen Graffiti-Workshop mit dem Jugendclub und ab 19 Uhr Kino unter freiem Himmel mit dem französischen Streifen „Was ist schon normal?“.

Jeden Tag ein buntes Programm

Ähnlich abwechslungsreich geht es die Tage darauf weiter. Donnerstag ab 10 Uhr steht eine historische Wanderung (etwa 2 Kilometer) mit Bernd Obst vom Heimatverein und der Frauensportgruppe auf dem Programm, der sich gern angeschlossen werden kann. Zum Feierabend wartet dann Tischtennis mit dem Grünheider Sportverein (gegen die Ballmaschine und „Chinesisch“) sowie der Spieletreff mit dem GrünheideNetzWerk auf die Besucher. Radio Ginseng stellt am Freitagnachmittag die Frage: Schlechter Musikgeschmack – muss ich den tolerieren? Es geht noch einmal ums Älterwerden, um Minecraft, den Sonnenuntergang bei Livemusik und einen Werwolf-Spielabend.

Suche nach dem originellsten Teller

Der Samstag verspricht erneut Kino unter freiem Himmel mit dem Dokumentarfilm „Garten der Hoffnung“, das Projekt eines interkulturellen Nachbarschaftsgartens in Schwerin. Tags darauf wartet zum Ausklang noch etwas auf die Besucher, was schon bei den vorangegangenen Demokratiefesten der Initiative „Grünheide zeigt Haltung“ immer wieder auf große Resonanz gestoßen ist: die Einladung an die lange Tafel. Zusammen essen, reden und feiern – das soll hier zelebriert werden. Es wird darum gebeten, eine Speise zum Teilen mitzubringen sowie zwecks Müllvermeidung eigenes Geschirr. Bei der Auswahl des Tellers lohnt es sich, gut zu überlegen. „Bevor sie mit den Leckereien gefüllt werden, suchen wir den originellsten Teller, der dann feierlich ausgezeichnet wird“, spornt Marieke Petersohn an. (Anke Beißer)

Offene Führungen:
täglich bis Freitag, 12 bis 13 Uhr – Einblicke kompakt zur Mittagszeit
Mittwoch (26. August), 16 bis 17 Uhr
Donnerstag (27. August), 17 bis 18 Uhr
Freitag (28. August), 16 bis 17 Uhr
Samstag (29. August), 11 bis 12 und 13 bis 14 Uhr
Sonntag (30. August), 11 bis 12 Uhr

Anmeldung zu Gruppenführungen bei Marieke Petersohn:
01516 7730291 oder marieke.petersohn@gruenheidenetzwerk.de.

Das Programm kann hier nachlesen werden.