
Wie in jedem Jahr war das traditionelle Sommerfest des Olympischen und Paralympischen Trainingszentrums Anlass für drei besondere Auszeichnungen: die Vergabe des Kienbaum-Awards, die Widmung eines Zimmers für einen langjährigen Trainingsgast und besonders erfolgreichen Sportler sowie – zum erst zweiten Mal – die sogenannte Baum-Ehrung. Die auf dem Gelände neu gepflanzten Gehölze sind Trainern und Funktionären gewidmet, die einschließlich ihrer aktiven Karriere auf 50 Jahre und mehr „Treue und Verbundenheit zu Kienbaum“ zurückblicken, wie Geschäftsführer Martin Rieprecht es ausdrückte.
Baum-Ehrung für langjährigen Weggefährten
Bei der Premiere zwölf Monate zuvor war gleich einem halben Dutzend „Trainer-Oldies“ diese besondere Ehre zu Teil geworden: Detlef Ultsch (Judo), Hubert Brylok (Turnen), Georg Leopold (Bob) sowie Klaus Schneider, Helke Zöllkau und Werner Goldmann. Auch dieses Mal wurde mit Jürgen Schult ein verdienter und hochdekorierter Sportler und Trainer der ostdeutschen Leichtathletik auf diese Art ausgezeichnet. Als Diskuswerfer gewann der Schweriner olympisches Gold (Seoul 1988) und Silber (1992 Barcelona), wurde 1987 in Rom Weltmeister, stand noch dreimal auf dem WM-Podium und holte bei Europameisterschaften einen kompletten Medaillensatz. Quasi ein Denkmal setzte sich der DDR-Sportler aber mit dem am 6. Juni 1986 im Neubrandenburger Jahnstadion erzielten Weltrekord von 74,08 Meter, der sage und schreibe knapp 38 Jahre Bestand haben sollte, ehe der Litauer Mykolas Alekna am 14. April 2024 in Ramona im US-Bundesstaat Oklahoma den Diskus auf 74,35 m schleuderte.

1976 war Modellathlet Jürgen Schult erstmals zum Training in Kienbaum, in einem halben Jahr geht der Mecklenburger, der 1994 sein Studium als Diplomsportlehrer an der DHfK in Leipzig beendet hatte, in Trainer-Rente – mit der Baum-Widmung hat sich schon jetzt ein Kreis geschlossen. Denn nach seiner Zeit als DLV-Bundestrainer beim Deutschen Leichtathletik-Verband (2001 bis 2018) war der mittlerweile 66-Jährige zuständig für die Leichtathletik-Ausbildung an der hier ansässigen Bundespolizeisportschule.
Zimmer Nummer 320 in Kienbaum II hat jetzt einen Namen
Eine andere, sehr spezielle Widmung hat schon eine etwas längere Tradition im Olympischen und Paralympischen Zentrum: Zimmer Nummer 320 in der 3. Etage des Teilbereichs Kienbaum II trägt ab sofort den Namen des Rennkanuten Sebastian Brendel. Der 38 Jahre alte gebürtige Schwedter ist dreimaliger Olympiasieger, 13-facher Welt- und 17-facher Europameister im Einer- und Zweier-Canadier. Entsprechend fiel die Laudatio seines Potsdamer Vereinskollegen Jan Vandrey aus, mit dem Brendel 2016 in Rio de Janeiro Gold über die 1000 Meter gewonnen hatte: „Basti hat uns im Training nicht nur einmal zum Verzweifeln gebracht. Für ihn gab es kein zu kalt, zu warm, zu windig, zu wellig, zu viele Kilometer. Ich wünsche allen, die hier in Kienbaum trainieren und vielleicht sogar in ,seinem‘ Zimmer wohnen, den gleichen Ehrgeiz und hoffentlich die gleichen Erfolge. Spitzensportler, die es ganz nach oben schaffen, haben ein bisschen auch einen Knall …“

Der so Gepriesene bedankte sich für die Ehre, dass ein „Wohlfühlzimmer“ nach ihm benannt wird. Die Aufenthalte in Kienbaum hätten nicht nur Spaß gemacht, aber er habe sich hier immer wohl gefühlt und auf dem Liebenberger See wie auch im Kraftraum tatsächlich den Grundstein für seine Erfolge gelegt, betonte der Ehemann und zweifache Vater. Zudem hatte Sebastian Brendel, sein erstes Nationalmannschafts-Paddel mitgebracht, mit dem er bei der WM 2007 in Duisburg Silber im C4 gewonnen hatte. Es wird, vom Zimmer-Paten signiert, in Nummer 320 in Kienbaum II aufgehängt.
Schon 14 besondere Zimmer
Es ist dies übrigens die insgesamt 14. Zimmer-Widmung eines ehemaligen Aktiven. Auf diese Art geehrt wurden unter anderem bereits Bahnradsportlerin Kristina Vogel und Turner Fabian Hambüchen, Hammerwerferin Betty Heidler und Bob-Anschieber Kevin Kuske sowie zuletzt die Bogenschützin Lisa Unruh und Turner Andreas Toba.

Bleibt der sogenannte Kienbaum-Award. Mit diesem werden traditionell sportliche Persönlichkeiten geehrt, die sich nur durch ihre Erfolge, sondern auch andere Werte auszeichnen. Das Besondere: Vergeben wird der Award nicht durch Funktionäre des Trainingszentrums oder den Vorstand des Fördervereins, sondern durch die Angestellten vor Ort. Und so lobte Maik Hasselberg, Mitarbeiter im Sport-Management, als Laudator die in Kassel geborene Kanutin Enja Rößeling für ihren Respekt und ihre Bodenhaftung, für Fairplay und Teamgeist. „Sie beweist, dass es neben des Talents auch harter Arbeit und Durchhaltevermögens bedarf, aber eben auch, dass Erfolg nicht alles bedeutet. Enja ist eine Persönlichkeit mit Herz und Leidenschaft, dabei ein Vorbild für Jüngere nicht nur aus dem Kanusport.“ Die 24-Jährige von der KG Essen war Olympia-Teilnehmerin in Paris sowie zuletzt Europameisterin und WM-Zweite 2025 im K2. (Anke Beißer)
