Paco Melzer will in den Segel-Olymp – Der Grünheider ist auf dem Weg nach Los Angelos 2028

Vor ein paar Wochen sind die Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen. Die besten Athleten durften mit einer Medaille um den Hals nach Hause fahren. Für die meisten war schon allein die Teilnahme das wirklich Werden eines Traums. Für sie bedeutet der Satz „Dabeisein ist alles“ an dem Ziel zu sein, das sie sich oft schon als Kind gesetzt hatten. Bis zu dem Dabeisein und als Krönung die Medaille ist es aber ein weiter Weg und auf den hat sich ein Grünheider begeben. Der Segler Paco Melzer, 23 Jahre jung, in Strausberg geboren, mit den Eltern in früher Kindheit an den Peetzsee gezogen, hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und der magischen Anziehungskraft des Wassers erlegen. Seinem Element.

Paco will der Beste in seinem Sport sein

Paco ist seinem Traum von Olympischen Spielen, dem Traum, der beste in seinem Sport zu sein,  einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Er wurde Anfang des Jahres in den Olympiakader für Los Angelos 2028 aufgenommen. Somit ist der Kindheitstraum vom vagen Schein am Horizont zum Fokus geworden, zu seinem Kompass, an dem sich alles noch mehr als zuvor ausrichtet. Die Messlatte liegt hoch, der Traum kann noch zerplatzen, denn Kader heißt noch nicht Teilnehmer. Aber der junge Mann will alles dafür tun, in Kalifornien an den Start zu gehen. LA28, Port of Los Angelos (San Petro), da will er mit seiner Partnerin, Theres Dahnke (27), im 470er Mix – so die Bezeichnung der Bootsklasse – ab dem 23. Juli 2028 starten.

Seit 2025 ein Team auf dem Weg zu Olympia: Steuerfrau Theres Dahnke aus Plau am See stammend und in Kiel lebend mit ihrem Vorschoter Paco Melzer aus Grünheide sind bei den Europameisterschaften der 470er-Klasse Anfang März in Portugal in die Wettkampfsaison 2026 gestartet. Foto International 470 Class and PROW Group
Seit 2025 ein Team auf dem Weg zu Olympia: Steuerfrau Theres Dahnke aus Plau am See stammend und in Kiel lebend mit ihrem Vorschoter Paco Melzer aus Grünheide sind bei den Europameisterschaften der 470er-Klasse Anfang März in Portugal in die Wettkampfsaison 2026 gestartet. Foto: International 470 Class and PROW Group

Erzählt der junge Mann seine Reise bis hierher, ließe sich schon locker ein Buch füllen. Das Abenteuer Sportlerkarriere begann tatsächlich mit dem Peetzsee vor der Haustür, nicht nur im, sondern auch auf dem Wasser. Zum 9. Geburtstag bekam er eine Jolle geschenkt. Das Segeln war fortan sein Metier. Mit 13 entschied er sich für eine Probemitgliedschaft im Woltersdorfer Segelverein und entdeckte mit seinem Opti – der Bootsklasse Optimist für Kinder bis 15 Jahre – als Breitensportler den Flakensee. Er hatte viel Spaß, aber bei einer Wettfahrt merkte er, dass er sich messen möchte. „Das ging mit den Woltersdorfern nicht, weil sie ausschließlich auf den Breitensport setzen.“ Also suchte er sich eine neue sportliche Heimat, die er in Friedrichshagen beim Yachtclub Berlin fand. Sicher, mit der wachsenden Intensität des Trainings war auch das Eltern-Taxi immer stärker gefragt, aber: „So weit von Grünheide aus war das ja auch nicht.“

Ein Cap als Auslöser fürs sportliche Ziel

Schon bald ging es für ihn, immer noch 13 Jahre alt, im Opti zur Regatta-Premiere nach Brandenburg. Im ersten Lauf wurde er Vorletzter, arbeitete sich in den nächsten Durchgängen aber bis ins Mittefeld vor. „Es hat mich gepackt.“ Wann er das erste Mal an Olympia dachte? Er überlegt, aber hat dann rasch eine Antwort: „Zum 14. Geburtstag hab ich von Robert Stanjek aus unserem Club, Olympiateilnehmer von London 2012, ein Cap aus seiner Olympia-Team-Kollektion bekommen und ich habe angekündigt, irgendwann bekommt er ein solches Cap von mir.“ Zwar hat Paco das Geschenk nicht mehr – es sei mal über Bord gegangen –, aber er wolle seine Ankündigung wahr machen. Jetzt umso mehr. Stanjek sei für ihn ebenso ein Vorbild wie Lucas Zellmer, Olympiateilnehmer von Athen 2004. Und nicht zu vergessen Landestrainer Martin Schlaaff.

Da will er hin: Paco Melzer will zu den Olympischen Spielen 2028 nach Los Angelos. Nicht ganz unbeteiligt an dem Ziel sind seine Vorbilder. Zu ihnen gehört Robert Stanjek (kleines Foto/Credit: AP) - hier bei der Olympischen Spielen von London 2012 - aus dem Yachtclub Berlin, dem er selbst angehört. Foto/Montage: Anke Beißer
Da will er hin: Paco Melzer will zu den Olympischen Spielen 2028 nach Los Angelos. Nicht ganz unbeteiligt an dem Ziel sind seine Vorbilder. Zu ihnen gehört Robert Stanjek (kleines Foto/Credit: AP) – hier bei der Olympischen Spielen von London 2012 – aus dem Yachtclub Berlin, dem der Grünheider selbst angehört. Foto/Montage: Anke Beißer

 

Mit dem Opti hat Paco Melzer damals schon ziemlich intensiv in den Trainingsalltag der Segler hineingeschnuppert. Zweimal die Woche Training – im Sommer auf dem Wasser, im Winter Athletik in der Halle. Zudem Regatten und Trainingslager, das Kennenlernen vieler Reviere, was bereits mit vielen Reisen zusammenhing. „Das war eine coole Erfahrung.“ Als Jugendlicher trainierte er dann schon mit Kaderathleten, nahm an Wettkämpfen bis hin zu Deutschen Meisterschaften teil. Lief es schlecht, dann lernte er aus den Niederlagen. Auf die Optmisten- folgte im Jugendbereich die 420er-Klasse und damit das erste Zweier-Team, in dem Paco fortan die Rolle des Steuermanns übernahm. Hatte er den Weg zum Abitur am Carl-Bechstein-Gymnasium in Erkner begonnen, konnte er in der 10. Klasse auf die Flatow-Schule – eine Eliteschule des Sports in Köpenick – wechseln. Damit einher ging eine noch stärke Konzentration auf den Sport. Nach dem Abitur und dem FSJ schrieb er sich in einer Fernuni für den Studiengang in Wirtschaftswissenschaften ein. „Die Online-Schule ist ideal für mich, ich kann weiter studieren, wo auch immer ich mich fürs Training oder zu Regatten aufhalte.“

Eine Verletzung bremste den jungen Mann aus

2023 jedoch wurde der talentierte Segler abrupt ausgebremst. Er musste eine Verletzung beider Knie wegen Überlastung akzepteiern. Reha und Wiederaufbau nahmen viel Zeit in Anspruch – zwischenzeitlich allerdings ohne Hoffnung auf vollständige Genesung und Rückkehr in den Hochleistungssport.

Umstieg eröffnete unerwartet eine neue Chance

Die Liebe zum Segeln konnte Paco aber nicht aufgeben, und so begann er als Trainer zu arbeiten. Im Jahr darauf rief ihn ein Segelschüler an und fragte, ob er kurzfristig als Vorschoter – die andere Position im Zweier-Team – einspringen kann. „Max Keller fuhr in der 470er Klasse, also eine Nummer größer als mein bisheriges 420er-Boot und wollte bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Bodensee starten. Seine Vorschoterin war krank geworden“, schildert der Grünheider die Situation. „Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr aktiv und die Position nie gefahren bin. Er meinte es sei nur just for fun und gehe gleich übermorgen los.“  Paco Melzer ließ sich überreden und stürzte sich für eine Woche in das Abenteuer – das letztlich eine Wende einleiten und ihn am Ende zurück in den Wettkampfsport bringen sollte.

Jeder Handgriff muss sitzen: Bei den Regatten, wie hier bei den Europameisterschaften Anfang März 2026 in Portugal, gibt es Steuerfrau Theres Dahnke und Vorschoter Paco Melzer unzählige Manöver zu fahren. Foto: International 470 Class and PROW Group
Jeder Handgriff muss sitzen: Bei den Regatten, wie hier bei den Europameisterschaften Anfang März 2026 in Portugal, gilt es für Steuerfrau Theres Dahnke und Vorschoter Paco Melzer unzählige Manöver zu fahren. Foto: International 470 Class and PROW Group

 

Dass die Fahrt in neuer Position eine ganz andere Belastung als in seiner alten Bootsklasse und als Steuermann bedeuten würde, war ihm bewusst. Aber dass er so gut damit klar kam und vor allem, dass beide Knie bei den anderen Bewegungsabläufen so gut mitspielten, hatte er so nicht erwartet. Paco war wieder da. Paco wollte wieder angreifen. Paco brauchte ein Team – für die 470er- Klasse, die seit den Olympischen Spielen 2024 im Mix-Team ausgetragen wurde.

„Was uns eint, ist der Traum von Olympia“

„Schwierig. Vor allem, wenn du raus warst, ein absoluter Neueinsteiger in der Klasse, auf der Position und zudem kein Kaderathlet bist, aber eine erfahrene Steuerfrau brauchst, die sich auf das Experiment einlässt.“ Der damals 22-Jährige wusste von Theres Dahnke, aus Plau am See stammend und in Kiel lebend, die einen Vorschoter brauchte. Ihrer damaliger hatte, nachdem sie Olympia in dem Jahr verpassten, die Karriere beendet. Aber Paco hatte auch gehört, dass die 26-Jährige schon fündig geworden war. Abermals spielte ihm ein Zufall in die Karten. Bei einer Trainer-Verabschiedung in Schwerin erfuhr er, dass sie doch noch auf der Suche sei. Beide lernten sich am Telefon kennen und verabredeten ein Probetraining im Herbst in Kiel. „Was uns eint, ist der Traum von Olympia. Ein olympischer Zyklus geht ja über vier Jahre und er hatte gerade für LA 28 begonnen.“

Auf Anhieb in die Top10 der Welt gefahren

Heute ist sicher: Hier haben sich zwei gesucht und gefunden. Im Sommer 2025 fuhren sie bei den Weltmeisterschaften im polnischen Gdynia auf Anhieb auf Platz 8 – das war das Ticket für den Olympiakader. Jedes Jahr müssen sie ihre Leistung hierfür mit den geforderten Platzierungen bestätigen, um die bestmögliche Förderung zu erhalten. Auch Teams im Perspektiv- und Nachwuchskader messen sich noch mit ums Olympiaticket. „Am Ende fährt nur eins in die USA“, ist Paco der schmale Grat bewusst, der ihn und seine Steuerfrau jedoch nicht einschüchtert, sondern zusätzlich motiviert. Wie gesagt, sie wollen die Besten sein.

Auf neuer Position: Paco Melzer (vorn) war immer als Steuermann unterwegs. Seit seiner Rückkehr in den Wettkampfbetrieb 2025 ist er Vorschoter und bildet mit seiner Steuerfrau Theres Dahnke ein eingespieltes Team. Foto: International 470 Class and PROW Group
Auf neuer Position: Paco Melzer (vorn) war immer als Steuermann unterwegs. Seit seiner Rückkehr in den Wettkampfbetrieb 2025 ist er Vorschoter und bildet mit seiner Steuerfrau Theres Dahnke ein eingespieltes Team. Foto: International 470 Class and PROW Group

Mehr als 250 Tage im Jahr harte Arbeit für das große Ziel

Bis dahin heißt es sich mehr als 250 Tage im Jahr für das Ziel ins Zeug legen. Auf dem Wasser trainieren und Wettkämpfe absolvieren, jeweils verbunden mit den Reisen zu den Revieren, also nicht nur in Deutschland sondern auch nach Portugal, Spanien, nach Kroatien, Japan und in diesem Jahr bereits zweimal nach Los Angeles. In den Tagen an Land läuft und radelt er, macht Kraft-Ausdauer-Training, wohnt Planungsrunden und Theorieschulungen bei, geht weiter zur Physiotherapie, organisiert sich seine Reisen, versucht Sponsoren zu akquirieren und treibt natürlich sein Studium voran. Zuletzt galt die ganze Konzentration den Europameisterschaften in Vilamoura (Portugal) sowie dem Sailing Grand Slam auf Mallorca. Auch wenn hier noch nicht alles perfekt lief, das Duo orientiert sich an dem, was schon sehr gut lief und lernt aus den Fehlern.

Begleitet von Idolen: Im Landesleistungszentrum Segeln in Berlin-Friedrichshagen, zugleich Bundesstützpunkt, belegt eine eindrucksvolle Fotogalerie, wofür es sich lohnt, hart zu trainieren. Zu den Besten der Besten gehören der Bronzemedaillengewinner von „Rio 2016“ Erik Heil (links) und Thomas Plößel (Foto: Sailing EnergyWorld Sailing). Foto: Anke Beißer
Begleitet von Idolen: Im Landesleistungszentrum Segeln in Berlin-Friedrichshagen, zugleich Bundesstützpunkt, belegt eine eindrucksvolle Fotogalerie, wofür es sich lohnt, hart zu trainieren. Zu den Besten der Besten gehören der Bronzemedaillengewinner von „Rio 2016“ Erik Heil (links) und Thomas Plößel (Foto: Sailing EnergyWorld Sailing). Foto: Anke Beißer

Heute (6. April) sind es noch 840 Tage bis die Regatten im Hafen von Los Angeles beginnen. Noch zählt Paco die Tage nicht. Im Landesleistungsstützpunkt in Friedrichshagen, die Basis der Berliner Segler, hängen zwischen alle den Fotos die von Zellmer und Stanjek. Wenn der 23-Jährige sie anschaut, sieht man einen Glanz in seinen Augen und ein Lächeln huscht über das braungebrannte Wassersportler-Gesicht. „Da will ich hin“, sagt er in dem Moment zwar nicht, aber es ist trotzdem hörbar. Sein Traum von der „Goldmedaille bei Olympia“ lebt. „Ich will der Beste in meinem Sport sein.“ (Anke Beißer)