Wo aus Gänseblümchen Salbe und aus Löwenzahn Sirup wird

Schön vorsichtig: Elmine (4, vorn) lernt beim Ernten der Holunderbeeren auch den sicheren Umgang mit der Schere. Erzieherin Dajana Hennig passt auf sie auf. Frederike (4), Livia (6) und Lorelei (4, hinten von links) sind als nächstes an der Reihe. Foto: Anke Beißer
Schön vorsichtig: Elmine (4, vorn) lernt beim Ernten der Holunderbeeren auch den sicheren Umgang mit der Schere. Erzieherin Dajana Hennig passt auf sie auf. Frederike (4), Livia (6) und Lorelei (4, hinten von links) sind als nächstes an der Reihe. Foto: Anke Beißer

Herbstzeit ist Erntezeit – das stimmt, aber nicht ganz. Denn in der Kita der Kageler Wasserfrösche wachsen nahezu das ganze Jahr über Dinge, die sich gut verarbeiten lassen. Erzieherin Dajana Hennig ist vor acht Jahren ins Team gekommen und nimmt sich seither der „Kräutersäule“ an – einem der Pfeiler, welcher die Kneippsche Lehre ausmacht, nach der die kommunale Betreuungseinrichtung arbeitet und zertifiziert ist. Und je länger sie sich mit der Thematik befasst, umso facettenreicher finden Kräuter, Beeren und Co. ihre Anwendung im Alltag.

Familie als Vortester

Im September rückten die großen Holunderbüsche in den Fokus. „Die Kinder wissen, dass sie die Beeren nach dem Pflücken nicht essen dürfen, dass sie aber verarbeitet durchaus lecker sind“, erzählt die 47-Jährige. Sie ist ausgebildete Gesundheitserzieherin und bildet sich online zur Kräuterpädagogin weiter. „Das Thema hat mich wirklich gepackt. Ich habe mich von Anfang an intensiv belesen, probiere alles erstmal zu Hause aus, bevor ich die Kinder heranführe.“ Ihre Familie habe sie da gern als Vortester genommen und sei auf großes Interesse gestoßen. „Eierkuchen mit Brennnesseln waren die größte Überraschung“, sagt die Spreenhagenerin und ergänzt, dass sie mit dem Wild- und Heilkraut in der Kita aber nicht arbeitet.

Einfach nur lecker: Die bunt gemischte Reihe an Beerensträuchern lädt die Kinder in der entsprechenden Erntezeit zum Naschen ein. Foto: Anke Beißer
Einfach nur lecker: Die bunt gemischte Reihe an Beerensträuchern lädt die Kinder in der entsprechenden Erntezeit zum Naschen ein. Foto: Anke Beißer

Auf die Frage, welche Pflanzen es denn dann seien, antwortet Dajana Hennig mit einer nicht enden wollenden Aufzählung. Aus Löwenzahn wird Sirup, Gänseblümchen wandern in die Butter und werden zu Salbe, Spitzwegerich lindert den Juckreiz bei Mückenstichen und hilft als Tee gegen Husten, Lavendel findet den Weg ins Duftsäckchen, Salbei wird ebenfalls zu Tee, Schnittlauch verlockt die Kinder zum Naschen und würzt den Quark, Vogelmiere kennen die Wasserfrösche mittlerweile als Salat. All die Pflanzen wachsen im Garten der Kita, wild oder angepflanzt. Hinzu kommen die Erd-, Brom-, Johannis-, Him- und Blaubeeren sowie Felsenbirnen. Auch sie können während des Spiels zwischendurch in die Münder wandern, werden jedoch zudem zu Marmelade verarbeitet.

Von Wissenszuwachs bis Teamwork

„Wann immer wir etwas von unserer Ernte verarbeiten, lernen die Kinder ganz viel dabei.“ Kochen und Backen sei für den Wissenszuwachs, die Schulung motorischer Fähigkeiten und das soziale Gefüge einfach großartig. Es geht um Ernährung, welche Heilkräuter bei welchen Wehwehchen helfen, um die Hand-Augen-Koordination bei der Zubereitung, die Sicherheit beim Umgang mit Schere und Messer sowie am Herd und das Miteinander, Teamwork eben.

Reiche Ernte: Die Beeren vom Holunderbusch werden zu Marmelade und Sirup verarbeitet. Foto: Anke Beißer
Reiche Ernte: Die Beeren vom Holunderbusch werden zu Marmelade und Sirup verarbeitet. Foto: Anke Beißer

Mit der Kräutersäule beschäftigen sich die Mädchen und Jungen in der Kageler Kita etwa ab dem 3. Lebensjahr. Bei Spaziergängen und im Garten lernen sie die ersten Pflanzen kennen. „Es geht hier gar nicht um möglichst viele Arten. Ich konzentriere mich auf einige wenige, die sich die Kinder gut merken können.“ Dass das Prinzip aufgeht, zeigt die Resonanz bei den Eltern. Denn die erzählen, dass die Sprösslinge ihr Wissen zu Hause kundtun, Speisen, die sie aus der Kita kennen, mit Mama und Papa zubereiten wollen.

Spaziergang zur Streuobstwiese

Ganz neu in diesem Jahr ist, dass der Streuobstwiese am nahegelegenen einstigen Lehngutshof ein Besuch abgestattet werden soll. „Mal sehen, was und wie viel sich dort ernten lässt“, ist Dajana Hennig gespannt. (Anke Beißer)