
„Ich kann das nicht.“, „Ich traue mich nicht.“ Und: „Ich habe Angst, ich mach‘ was kaputt.“ Das sind die häufigsten Sätze, die Kümmerin Kerstin Wasmuth hört, wenn ihr Senioren erklären, warum sie so zögerlich mit ihrem Smartphone umgehen. Wer nach solcher Zustandsbeschreibung bereit ist, daran etwas zu ändern, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Zweimal im Monat bietet die Kümmerin in der „Guten Stube“ einen sogenannten Digitaltreff an, bei dem sie individuell auf die Fragen und Unsicherheiten beim Umgang mit dem Handy eingeht. „Ich habe für die Termine keinen festen Plan. Die Themen ergeben sich immer von selbst aus den Fragen der Teilnehmenden, sind somit ganz nah am Leben und nicht nur trockne Theorie.“
Beginn 2024 mit gefördertem Projekt
Anfangen hat alles 2024, als Kerstin Wasmuth für acht Wochen 15 Tablets samt SIM-Karte zur Verfügung gestellt bekam. Das Projekt „DigitalPakt Alter“ (es beinhaltet eine im Februar 2024 gestartete Initiative der Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisationen e. V. und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Fördermittelgeber) sei ein „toller Anschieber“ gewesen. Und viele, die damals gemerkt haben, wie lohnend es ist, sich der digitalen Technik nicht zu verschleißen, kämen noch heute mit ihren Fragen.
Senioren nutzen oft zu alte Handys
Was sind die häufigsten Klippen, Fragen und Probleme? Die Kümmerin hat festgestellt, dass Senioren häufig sehr alte Handys nutzen, die gar keine Updates mehr erhalten und somit Sicherheitslücken aufweisen. Viele nutzen WhatsApp, machen Fotos und versenden diese auch. Die Handhabung des Messengers beherrschen sie aber eher rudimentär. „Sie können zum Beispiel nicht mit dem Status umgehen. Wissen nicht, dass sich einschränken lässt, wer die Fotos sieht und wer nicht.“ Zudem ist das Ein- und Ausschalten der Lesebestätigung nicht geläufig.

Kontakte werden nicht mit Namen im Adressbuch gespeichert, so dass mitunter nicht erkannt wird, wer da Nachrichten schickt oder anruft. Und der Klassiker: Wird zum Beispiel bei einem Update eine Bestätigung gefordert, zucken Unsichere zurück, haben Angst „das Handy oder gar ,das Internet‘ kaputt zu machen“. Wird jemand gefragt, was er nicht kennt, führe das zur Blockade. „Das ist ganz normal.“ Dabei müsste nur genau gelesen werden. Ein Problem stelle auch die Abfrage zu den Cookies dar. „Ich will mit dem Digitaltreff helfen, Unsicherheiten abzubauen“, bringt es Kerstin Wasmuth auf den Punkt. Smartphone, Tablet und Co seien kein Teufelswerk.
Teilnehmende sind zwischen 68 und 88 Jahren
Und so geht es bei den regelmäßigen Treffen sehr abwechslungsreich zu. Die Teilnehmenden sind zwischen 68 und 88 Jahren. Mal kommen zehn, mal ist es nur einer. „Das ist egal, es gibt immer etwas zu besprechen, etwas zu lernen und zu begreifen.“ Je nach dem Kreis stehen mal grundlegende Dinge im Fokus, aber auch Fortgeschrittene werden ihre Fragen los. Online-Banking, Elektronische Patientenakte, Zoom – all das hat schon eine Rolle gespielt. Natürlich wird auch nach dem Schutz der Daten gefragt, haben nicht wenige Sorge, zum Beispiel Passworte zu vergessen. „Ich rate immer, sie in ein hübsches kleines Buch zu schreiben und es zu Hause so aufzubewahren, dass es von einem selber und jemand Vertrautem gefunden werden kann. Den Code nur nicht direkt aufs Handy kleben.“ Und: Es sei völlig okay, wenn dieselben Fragen mehrmals gestellt werden. Nur Übung mache den Meister.
Wie wird wieder Platz im Speicher?
Ganz simpel, aber für viele neu ist immer wieder der Hinweis, den Speicher im Blick zu haben. Ob Foto oder Video, wer braucht wieviel davon? Und wie wird wieder Platz gemacht? „Gelöscht heißt nicht weg. Der Papierkorb muss auch zur Mülltonne getragen, sprich geleert werden.“ Hier rät die Kümmerin, dies einfach in die regelmäßige Routine einzubauen, dann kann es nicht vergessen werden und womöglich zu Problemen führen.
Senioren werden mutiger
„Die Senioren, die in den Digitaltreff kommen, werden immer mutiger“, hat Kerstin Wasmuth beobachtet. Sie werden der Technik gegenüber zugewandter und die Fragen gehen tiefer. Das sei gut so, denn die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und sie birgt – allen Vorbehalten von Senioren zum Trotz – schließlich so viel Erleichterung und Vielfalt. (Anke Beißer)
Der nächste Digitaltreff ist für Dienstag, den 15. September, 10 Uhr, im Bürgerhaus Spreeau (Spreewerder, Spreeauer Straße 29) geplant.
Der Rhythmus ist ansonsten wie folgt (Abweichungen möglich):
1. Mittwoch im Monat, 14.30 Uhr
3. Dienstag im Monat, 10 Uhr.
