Glückskompetenz will gelernt sein – Lea und Areti zeigen, wie Freundschaft und Konfliktlösung gelingen

In der Grundschule Grünheide lernen Kinder nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen – sie lernen auch, ihre Gefühle zu verstehen, Konflikte friedlich zu lösen und fair miteinander umzugehen. Dieses soziale Lernen stärkt die sogenannte „Glückskompetenz“: die Fähigkeit, Verantwortung, Empathie und Respekt zu verbinden. Die Gemeinde Grünheide legt besonderen Wert darauf, dass Kinder früh soziale Kompetenzen erwerben – ein Angebot, das längst nicht selbstverständlich in allen Schulen ist.

Selbstgeführter Pausenraum – Ort für soziales Lernen

Ein geschützter Rahmen für diese Arbeit ist der „Raum der Träume“ im Altbau der Grundschule auf dem Löcknitzcampus. Hell, freundlich, mit Teppich, Kissen und Musik ausgestattet, bietet der Raum eine kleine Auszeit vom hektischen Schulalltag. Die Nutzung des Raums am Nachmittag oder in den Pausen orientiert sich am Konzept selbstgeführter Jugendräume, wie es auch in der Jugendkoordination Grünheide praktiziert wird. In der Unterrichtszeit finden hier gezielte Einheiten zum sozialen Lernen statt, die Stefanie Höhn, Kinderkoordinatorin von Grünheide (kurz Kiko), liebevoll selbst entwickelt und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Klassen ausrichtet. Im Kreis sitzend können die Kinder hier auf Augenhöhe kommunizieren, wodurch eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre entsteht – die Grundlage für die sozialpädagogische Arbeit.

Erst brauchten sie selber Hilfe

Besonders engagiert in diesem Kontext sind die zehnjährigen Lea und Areti. Zu Beginn konnten sie sich überhaupt nicht leiden, doch heute sind sie beste Freundinnen. Sie brauchten selber Hilfe, um ihre Streitigkeiten beizulegen. Heute helfen sie anderen, zeigen Wege zur Verständigung und vermitteln, wie man Meinungsverschiedenheiten respektvoll anspricht. Dabei sind die zwei erst zehn Jahre alt. Unterstützt von Stefanie Höhn, übernehmen sie Verantwortung für die Gruppe und trainieren soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen. Herausfordernde Situationen, etwa wenn viele Kinder gleichzeitig den Raum nutzen möchten, meistern sie gemeinsam. „Ich bin so stolz auf sie“, wird Stefanie Höhn nicht müde, die Grundschülerinnen zu loben.

Die Mädchen führen über die „Friedensbrücke“

Souverän führen die Mädchen Gespräche und Streitschlichtungen auf der „Friedensbrücke“ durch. Dabei steht immer im Mittelpunkt, dass alle Kinder die Situation als Gewinner erleben. Niemand wird beschämt oder zu einer Entschuldigung gezwungen. Stefanie Höhn erklärt: „Sobald die Kinder die Gefühle ihres Gegenübers wahrnehmen, entsteht fast automatisch Einsicht – eine wichtige Voraussetzung für Annäherung.“

Gespräche über Gerechtigkeit und respektvolles Setzen von Grenzen

Lea und Areti erlernen dabei grundlegende Moderationstechniken und wichtige Prinzipien der Streitschlichtung. Mit einfachen Fragen gelingt es ihnen, Gespräche zu strukturieren und faire Lösungen zu begleiten. Einmal in der Woche sprechen die Mädchen über ihre Erfahrungen mit Stefanie Höhn, reden über Gerechtigkeit, respektvolles Setzen von Grenzen und den Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen, ist gar nicht so einfach. Zum Beispiel wenn mehr Kinder in den Raum wollen als verabredet. „Es stößt nicht auf Begeisterung, wenn man abgewiesen wird“, schildert Stefanie Höhn eine Situation. Die Zwei haben gelernt, „nein“ zu sagen. Unterstützend wirkt eine bewusste Körpersprache, also aufrechte Haltung, ruhige Stimme und der „Superstark-Bärenstand“ – Brust raus, ein Bein leicht nach vorn und mit fester Stimme sprechen.

Junior-Kikos laden in den „Raum der Träume“ ein

Als Anerkennung für ihr Engagement wurden Lea und Areti zu Junior-Kikos ernannt. Unter dem Motto „Entspannen, spielen, Streit schlichten“ laden sie andere Kinder in den Raum der Träume ein. Sie haben gemeinsam Regeln erarbeitet, die ein respektvolles Miteinander ermöglichen. Kommt es zu Schwierigkeiten, erinnern sie freundlich daran und helfen den Kindern, ihr Verhalten zu reflektieren. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können, gerade in herausfordernden Momenten. „Uns hat das alles noch enger zusammengebracht“, sagen die Freundinnen. Und wenn es doch einmal zwischen ihnen selbst zu einem Konflikt kommt, klären sie das noch am selben Tag: „Wir suchen einen ruhigen Ort, sagen uns, was uns stört – und vertragen uns wieder.“

Glückskompetenz, Verantwortung und Empathie

„Der ,Raum der Träume‘ ist tatsächlich mehr als ein Rückzugsort“, sagt Stefanie Höhn. „Er ist ein Lernraum für Glückskompetenz, Verantwortung und Empathie. Hier erfahren Kinder, wie wertvoll soziale Fähigkeiten sind, wie Konflikte fair gelöst werden und wie Freundschaft wachsen kann.“ Die Erfahrungen von Lea und Areti zeigen: Wer Verantwortung übernimmt, lernt nicht nur für die Schule – sondern fürs Leben. (Anke Beißer/SH)