
Grünheider und ihre Gäste kommen alljährlich von Mai bis September in den Genuss eines abgesicherten Strand- und Badevergnügens am Peetzsee. Denn die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Oder-Spree (DLRG) haben hier einen Stützpunkt und am Wochenende – bei Badewetter – die Gäste fest im Blick. Rettungsschwimmen hat aber noch eine andere Facette: Es ist Sport. Und da haben unsere Rettungsschwimmer ein ambitioniertes Ziel. Darauf ist der „Blick des Monats Mai 2026“ gerichtet. Anke Beißer sprach hierzu für „Grünheide im Blick“ mit Dajana Runge, bei der DLRG Oder-Spree für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Frau Runge, Sie wollen in diesem Jahr erneut bei den Weltmeisterschaften der Rettungsschwimmer an den Start gehen, mit welcher Mannschaft?
Dajana Runge: Wir gehen mit einer deutlich größeren Mannschaft als bei der WM 24 an den Start, mit 8 Junioren (15-18 Jahre) und 8 Startern in der Offenen Klasse (ab 18 Jahre).
Nach Australien 2024 heißt das Ziel diesmal Südafrika. Das wird wieder nicht ganz billig. Mit welcher finanziellen Belastung rechnen Sie?
Wir rechnen mit ca. 30.000 Euro für Flug- und Unterbringungskosten, Verpflegung, Meldegebühren, Mannschaftsbekleidung, Kosten für die Ausleihe der Sportgeräte usw.
Das ist doch bestimmt nicht ohne Hilfe zu stemmen. Gibt es schon Unterstützer?
Den Großteil davon bezahlen die Sportler und ihre Familien selbst. Insofern freuen wir uns über jede Unterstützung. Deshalb haben wir auch auf Gofundme.com einen Spendenaufruf gestartet, dank dessen wir bereits eine Spendensumme von derzeit 3245 Euro erzielen konnten. Konkret bedeutet das, dass uns bisher fast 70 Menschen unterstützt haben. Das ist doch toll!
Wer sich anschließen will, kann das hier tun: https://gofund.me/f430235ce
Wo fehlt es noch?
Es wäre schön, wenn unser Vorhaben und der Rettungssport an sich noch mehr Aufmerksamkeit bekommen würden. Und ja, jeder Euro, der auf der Spendenplattform oder direkt als Spende bei der DLRG Oder-Spree eingeht, ist eine gute Nachricht. Und wir suchen seit Jahren eine Trainingsstätte für das Freigewässertraining. Einen Ort am Wasser, an dem wir auch unser Material (die Boards und die Skis) sicher und trocken lagern können. Zurzeit nutzen wir eine Fläche des Wasser- und Schifffahrtsamtes an der Woltersdorfer Schleuse, aber eine Unterstellmöglichkeit für das Material haben wir dort nicht. Das teure Material liegt dort also auf einem Trailer unter einer Plane – nicht so optimal.

Die meisten verbinden Rettungsschwimmer mit jenen, die am Strand sitzen und den Badebetrieb beaufsichtigen. Es ist aber offenbar auch ein Leistungssport ….
Vergleichsweise wenige DLRG-Gliederungen in Deutschland betreiben neben der bekannten Absicherung auch Rettungssport als Leistungssport. In Brandenburg neben Oder-Spree nur noch Luckenwalde, allerdings auf sehr hohem Niveau. Wer also bei den Landesmeisterschaften Brandenburgs den Titel gewinnt, landet auch bei den Deutschen Meisterschaften sehr weit vorn.
Wir erhoffen uns viel von den Olympischen Sommerspielen 2032 in Australien. Da Australien Gastgeberland ist, darf es eine nichtolympische Disziplin ins Programm nehmen – und als Hochburg und Mutterland des Rettungssport wird das der Rettungssport sein!
Wie bereiten sich die Rettungssportler auf den Saisonhöhepunkt vor?
Mit vier bis fünf Mal Training pro Woche im Schwapp und Athletiktraining in der Sporthalle sowie Trainingslagern und Kader-Lehrgängen, das sind Intensiv-Wochenenden für die Besten Brandenburgs. Dazu kommt noch Freiwassertraining, das jetzt wieder an der Woltersdorfer Schleuse aufgenommen wird.
Für eine WM müssen sich die Athleten sicher qualifizieren. Wie läuft das ab?
Es gibt festgelegte Normen bei den Junioren und in der Offenen Klasse, die in einem 50-Meter-Schwimmbecken erzielt werden müssen. Ein Großteil der Mannschaft hat diese Normen bereits als Gaststarter bei den Berliner Meisterschaften der DLRG im März erfüllt.

Welche Disziplinen gehören zum Programm bei der Weltmeisterschaft?
Es gibt Freiwasser- und Pooldisziplinen und in beidem gibt es sowohl Einzel- als auch Mannschaftsdisziplinen. Es werden im Pool Strecken absolviert, bei denen man eine Puppe retten muss, sowohl mit als auch ohne Flossen und oder einem Rettungsgerät – dem sogenannten Gurtretter. Im Ocean (Freiwasser) gibt es Disziplinen wie das Surf Race (Brandungsschwimmen), Board Race (Rettungsboard fahren), SURF Ski Race (Rettungskajak fahren), Ocean (wo-)man (Rettungstriathlon), also alles zusammen mit einer Lauftransition dazwischen, 90 Meter Strandsprint, 2 Kilometer Strandlauf und Staffelwettbewerbe.
Mit welchen Zielen gehen Sie an das Projekt „Weltmeisterschaft“ und welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Die Frage hab ich an unsere Trainer, Regina und Norbert Bürger, weitergegeben. Sie sagen: „Wir hoffen im Mittelfeld zu landen beziehungsweise im ersten Drittel bei den Junioren! Mit der Staffel könnten wir mal ein B-Finale zu erreichen, im Line Throw (Leine werfen und Opfer an Land ziehen), wenn es gut läuft, ins A-Finale! Altersklassen offen wird es schwierig. Da werden wir im letzten Drittel liegen. Aber auch da, wenn alles klappt, im Line Throw ins A- oder B-Finale kommen. Im Freiwasser zählt ankommen und nicht Letzter werden! Bei den Junioren ist vielleicht etwas mehr drin!“

Bei allem Sport, Ihre Mitglieder sind doch trotzdem wieder als Helfer an Stränden und bei Wettkämpfen im Wasser, wie dem Ironman 70.3 Erkner, präsent …
Natürlich sind wir wieder bei der Absicherung von Veranstaltungen mit dabei, neben dem Ironman zum Beispiel auch beim Scharmützeltriathlon und vielen anderen. Wir sind ja in erster Linie Rettungsschwimmer. Da gehören solche Einsätze aber ebenso dazu wie das Angebot von Schwimmkursen. Auch am Peetzseestrand werden wir, wie oben schon erwähnt, von Mitte Mai bis Mitte September wieder an unserer Wasserrettungsstation sein und für die Sicherheit der Badegäste sorgen.
Brauchen Sie dafür mehr Mitstreiter?
Im Ehrenamt hat man nie genug Helfer. Wir freuen uns natürlich über Nachwuchs. Der klassische Einstieg erfolgt über die Seepferdchen-Kurse und die Aufbaugruppen. Aber auch gute Schwimmer sind gerne gesehen, um sich den Herausforderungen des Rettungssports zu stellen.
Wie kann man sich der DLRG Oder-Spree anschließen?
Einfach ansprechen oder mal in der Schwimmhalle vorbeischauen. Wir sind ja nicht zu übersehen, da wir ständig in der Halle präsent sind. Oder man kann uns via Internet kontaktieren.
Mehr dazu: https://oder-spree.dlrg.de/mitmachen/rettungssport/#


