Als Kommune klimafreundlich zu agieren – dazu gehört, den Verbrauch der endlichen fossilen Energiequellen auf den Prüfstand zu stellen. Ein Baustein dabei ist der kommunale Wärmeplan, der für Grünheide aufgrund seiner Einwohnerzahl (weniger als 10.000) nicht verpflichtend ist. Die Gemeindevertreter haben sich dennoch dazu entschlossen, einen solchen aufzustellen. Denn das strategische Papier ist eine detaillierte Bestandsanalyse, die Ansatzpunkte für Veränderungen abbildet.
Basis für weitere Betrachtungen
Für den Plan wurde ein Vertrag mit der EWE Netz GmbH geschlossen, die ihn in Kooperation mit greenventory GmbH erarbeitet hat. Der abschließende Bericht liegt vor und bildet seit dem Beschluss der Gemeindevertreter (14 Ja-, 2 Nein-Stimmen) vom 18. Dezember 2025 die Basis für weitere Betrachtungen.
Fast 96 Prozent der Wärme kommt aus fossilen Brennstoffen
Im Fazit des fast 150 Seiten umfassenden Dokuments wird festgestellt, dass „95,9 % der Wärme auf fossilen Quellen wie Erdgas (94,8 %) und Heizöl (1,1 %) basieren … Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Sektor ,Privates Wohnen‘ und ,Industrie & Produktion‘, in welchen beiden 76,5 % der Emissionen des gesamten Wärmebedarfes anfallen.“ Und weiter: „Auf Grundlage der Bestandsanalyse erfolgte im Rahmen des Projekts die Identifikation von Gebieten, die sich für Wärmenetze eignen (Eignungsgebiete). Für die Versorgung und mögliche Erschließung dieser Gebiete wurden erneuerbare Wärmequellen analysiert und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der einen Startschuss darstellt, auf dem Weg der klimaneutralen Wärmeversorgung dieser Gebiete. In den definierten Eignungsgebieten kann die Wärmewende nun zentral vorangetrieben werden, um so im Rahmen weiterer Planungsschritte die Wärmenetze tatsächlich in die Umsetzung zu bringen.“
Erstes Konzept: Kienbaum im Fokus
Die Gemeindeverwaltung hat jetzt eine erste Maßnahme aus der Kommunalen Wärmeplanung in den Fokus gerückt: die Erstellung eines Wärmeversorgungskonzeptes für das Wohngebiet Puschkinstraße in Kienbaum.
Vorstudie für das Wohngebiet
Ein Ingenieurbüro ist beauftragt, eine Vorstudie für das Wohngebiet mit 90 Wohneinheiten zu erarbeiten. Zwar wurde vorab erwogen, eine Lösung mit dem benachbarten Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum zu suchen, diese ist aber möglicherweise mit zu hohen bürokratischen Hürden verbunden. Sehr schwierig wäre zum Beispiel die Konstellation, dass das – vom Bund geförderte – Sportzentrum Wärme erzeugen und diese an die Gemeinde verkaufen würde, was nicht dem Zweck seines Betriebs entspricht. Zudem sollen die Wege zwischen Heizzentrale und Abnehmer nicht zu weit sein, um Verluste beim Wärme-Transport zu minimieren. Deshalb wird nach einer autarken Lösung für die Wohnblöcke geschaut.
Folgende Szenarien werden untersucht:
- Wärmepumpe mit etwa 130 Kilowatt plus Bestandskessel plus Photovoltaik (rund 100 Kilowatt-Peak – in jedem Fall ausschließlich für den Betrieb der Wärmepumpe)
- zwei Holzhackschnitzelanlagen (175 Kilowatt) – Untersuchung der Kombination mit PV* als Option oder wirtschaftliche beziehungsweise klimapolitische Notwendigkeit
- Holzpelletkessel (250 Kilowatt) plus Bestandskessel – Untersuchung der Kombination mit PV* als Option oder wirtschaftliche beziehungsweise klimapolitische Notwendigkeit
- Blockheizkraftwerk (zirka 20 bis 30 Kilowatt elektrisch sowie zirka 50 Kilowatt thermisch) plus Pelletkessel Biocom (100 Kilowatt) plus Wärmepumpe (zirka 150 Kilowatt) plus PV*
*) Die PV-Dimensionierung ist Bestandteil der Untersuchung. Es gibt bei jeder Variante ein Optimum. Beim Einsatz der Wärmepumpe sollte die PV-Größenordnung bei zirka 100 Kilowatt-Peak liegen.
Alle vier Varianten werden auf Machbarkeit, Effizienz und finanzielle Auswirkungen hin geprüft, sowie was wirtschaftlich und klimapolitisch sinnvoll und nachhaltig umsetzbar ist. (Anke Beißer)


