
Zum Schwimmunterricht sind die 3. Klassen der Grünheider Gerhart-Hauptmann-Grundschule bisher einmal die Woche ins Schwapp nach Fürstenwalde gefahren. In diesem Jahr wird alles anders, geht es für die Mädchen und Jungen Anfang Mai nach Kienbaum ins Olympische und Paralympische Trainingszentrum. Anke Beißer sprach darüber für „Grünheide im Blick“ mit der Schulleiterin Sabine Wilde-Balzer.
Frau Wilde-Balzer, wie ist die Idee entstanden, im Schwimmunterricht neue Weg zu gehen?
Sabine Wilde-Balzer: Schule und Schulträger haben eine gemeinsame Verantwortung zur Durchführung des Schwimmunterrichts in den jeweils 3. Klassen. Anfang des Schuljahres 2025/26 reifte in Schule und Gemeindeverwaltung die Idee, einmal neue Wege zu gehen und anstatt eines erneuten Vertragsabschlusses mit dem Schulschwimmzentrum im Schwapp Fürstenwalde unser in der Gemeinde vorhandenes Olympisches- und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland im Ortsteil Kienbaum anzufragen, ob wir dort unseren Schwimmunterricht durchführen könnten.
Statt regelmäßig ins Schwimmbad zu fahren, haben Sie sich für die kompakte Variante eines Schwimm-Camps entschieden. Welche Vorteile bringt das?
Wir sehen vor allem einen Vorteil darin, nicht ein ganzes Halbjahr wöchentlich mit unseren 3. Klassen an jeweils zwei unterschiedlichen Tagen nach Fürstenwalde zu fahren, um dort im besten Fall eine Schwimmeinheit von etwa 60 Minuten durchzuführen. Der Rest der Zeit geht für die Hinfahrt, das Warten auf den Einlass in die Schwimmhalle (da ja Schulklassen aus anderen Regionen vor uns Schwimmen), das Umziehen vor- und nach dem Schwimmunterricht und für die Rückfahrt drauf.
Und: Wir planen das einwöchige Schwimmlager als Schulschwimmfahrt. Die jeweilige Klassenlehrkraft begleitet gemeinsam mit der für die Klasse zuständigen Hortlehrkraft die Kinder bei der An- und Abreise, am Beckenrand beim Schwimmunterricht und in der Nacht.
Wir denken, dass der Klassenzusammenhalt dabei gestärkt wird, die Kinder ihre emotional-sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und vor allem ihre Selbstständigkeit stärken können. Nach dem regulären Schwimmunterricht gibt es diverse Freizeitaktivitäten wie eine Disco, Bowling und einen Grillabend.
Gibt es auch Nachteile, die jedoch in Kauf genommen werden, weil das Positive überwiegt?
Zunächst ist die Organisation recht aufwendig, gerade beim ersten Mal. Dabei müssen viele Faktoren und viele Beteiligte kooperieren und als Netzwerk zusammenarbeiten, sich abstimmen und flexibel agieren. Zudem werden wir sehr genau beobachten, wie es unseren Schülerinnen und Schülern in dieser Woche geht – was positiv auf sie wirkt und was eventuell mental oder körperlich überfordert. Gerade die Übernachtung in Kienbaum ohne Eltern wird für einige Mädchen und Jungen neu sein. Wir schauen, wie gut sie damit zurechtkommen. Wir haben in der Schulkonferenz den Beschluss gefasst, neue Wege zu gehen und uns wurde das Vorhaben durch das Staatliche Schulamt Frankfurt (Oder) genehmigt.
Im Nachgang wird es eine Evaluation geben, um die die Elternkonferenz gebeten hat.
Wer bringt den Mädchen und Jungen das Schwimmen bei?
Wir arbeiten eng mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus Hennickendorf zusammen, die bereits langjährige Erfahrungen mit solchen Schwimmlagern hat. Viele Grundschulen aus anderen Schulamtsbezirken nutzen diese Art des Schwimmunterrichtes schon seit Jahren erfolgreich. Die DLRG stellt die Schwimmlehrkräfte, die größtenteils ehrenamtlich arbeiten, über die entsprechenden Qualifikationen verfügen und die spezifische Methodik des Schwimmunterrichts lehren können.
Was ist das Unterrichtsziel für die Woche?
Grundlage ist der Rahmenlehrplan in der jeweils gültigen Fassung. Der sichere Aufenthalt sowie das Bewegen im Wasser ist grundlegendes Ziel der Schwimmausbildung in der Schule. Neben dem Erlernen der Schwimmtechniken erwerben die Schülerinnen und Schüler ausgewählte Kompetenzen in weiteren Schwimmsportbereichen. Sie können Situationen im, am und auf dem Wasser bezüglich Sicherheit einschätzen und sich adäquat verhalten.
Und wenn jemand es nicht schafft, das Schwimmen in der Zeit zu erlernen?
Unsere angefragten Rückmeldungen von den Eltern zum Stand der Schwimmfähigkeit ihres Kindes zum jetzigen Zeitpunkt zeigen, dass der überwiegende Teil bereits mindestens über ein Seepferdchen bis hin zu Schwimmabzeichen in Bronze und Silber verfügt. Es wird eine kleine Nichtschwimmergruppe geben, die besonders wohlwollend und intensiv von den Schwimmlehrkräften begleitet wird, so dass dann hoffentlich eine der vier für die Leistungsermittlung im Sportunterricht angestrebte Niveaustufe auch von ihnen erreicht wird.
Niveaustufen? Was verbirgt sich dahinter?
Die 4 Niveaustufen der „Entwicklung zum sicheren Schwimmen Können“ werden von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung wie folgt beschrieben:
- Wassergewöhnung
- Grundfertigkeiten
- Basisstufe
- Sicheres Schwimmen
Werden neue Wege gegangen, wird besonders auf das Vorhaben geschaut. Werden Sie selbst vor Ort sein?
Da ich selbst über eine Schwimmausbildung im Rahmen meiner Sportlehrerinnenausbildung verfüge, werde ich unser neu etabliertes Projekt persönlich begleiten, um mir einen Überblick über den Erfolg der jeweiligen Woche zu machen, die Schülerinnen und Schüler zu beobachten, Ansprechpartnerin für alle zu sein und schlussendlich nach Durchführung auch die Evaluation gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern, den Eltern, den Klassenlehrkräften, dem Hort-Team, der DLRG und unserem Schulträger zu steuern.
Gemäß unserem Leitbild – „Eine Schule bewegt sich für alle“ – schauen wir mit viel Enthusiasmus und Vorfreude auf Kienbaum, um auch wieder ein stückweit unsere Sportbetonung in Erinnerung zu rufen und unserer Auszeichnung zur Sportlichsten Schule im Land Brandenburg von 2023 gerecht zu werden.


