Der Bahnhalt Fangschleuse zieht um – und mit ihm das historische Bahnhofsgebäude. Zumindest optisch. Denn die Tage des historischen Bauwerks, das um 1900 an dem seit 1879 betriebenen Haltepunkt errichtet wurde, sind gezählt. Weil an Ort und Stelle kein Platz für die notwendige Ertüchtigung der Gleisanlage und Verlängerung der Bahnsteige war, wurde der Umzug beschlossen und seit einer Weile umgesetzt. Der neue Verkehrshalt Fangschleuse befindet sich rund 1,5 Kilometer weiter westlich und soll Mitte August in Betrieb gehen. Mit dem Verschwinden des Bahnübergangs und dem Bau der Überführung wird sich das Bild am angestammten Standort so bald grundlegend verändern und die Erinnerung an das Backsteingebäude verblassen.
Möglichst originalgetreuer Nachbau
Nicht so jedoch für die Bahnreisenden. Denn im Zuge der Großinvestition wird das Bahnhofsgebäude am neuen Standort wieder aufgebaut und so ein Stück Ortsgeschichte bewahrt. Es sind aber eben nicht die alten Steine und Materialien – es wird ein möglichst originalgetreuer Nachbau.

Um dem alten Bahnhof gebührend „Ade“ zu sagen, plant der Ortsbeirat Grünheide mit dem Heimatverein am Freitag, den 24. Juli, eine besondere kulturell-historische Abschieds- und Erinnerungsveranstaltung am historischen Standort. „,Der letzte Zug in Fangschleuse‘ soll ein würdiger und zugleich lebendiger Abschluss einer mehr als 145-jährigen Geschichte sein“, kündigt Ortsbeiratsmitglied Uwe Werner an. Ab 16 Uhr besteht letztmalig die Gelegenheit, das Originalgebäude zu besichtigen. Zudem wird ein Modell-Nachbau zu sehen sein. Auch für Essen und Trinken ist gesorgt.
Was ist geplant?
Bahnhofswärter, Schaffner, Lokführer werden in originalgetreuen historischen Kostümen die Gäste begrüßen und so lebendige Bahngeschichte vor Ort vermitteln. Ein Darsteller in der Rolle des Schriftstellers Gerhart Hauptmann liest aus dessen Novelle „Bahnwärter Thiel“ – ein literarisches Werk mit starkem Bezug zur Eisenbahn, zum Leben der Bahnarbeiter und zum benachbarten Streckenabschnitt in Richtung Erkner. Kurze Ansprachen mit historischem Bezug sowie die Präsentation einer Fotoausstellung aus dem reichen Archiv des Heimatvereins (historische Bilder des Bahnhofs, der Strecke und des dörflichen Umfelds) werden nicht fehlen. Die Ausstellung wird vom Verein eigenständig kuratiert und aufgebaut.
Kompetente Gesprächspartner eingeladen
Es gibt aber auch noch Wissenswertes darüber hinaus, was die fachliche Einordnung der Bahnstrecke und ihrer Bedeutung für die Region sowie deren künftiger Entwicklung anbelangt. Dafür sind kompetente Gesprächspartner eingeladen.
Ausklang im Restaurant
„Später soll der Abend für alle, die Lust und Zeit haben, noch gemütlich im benachbarten Restaurant ausklingen. Vielleicht wird dabei dann auch noch die eine oder andere Anekdote in Verbindung mit dem Bahnhof ausgetauscht“, hofft Uwe Werner. (Anke Beißer)


