Ausbau des Angebots an Leihfahrrädern im Visier

Die Gemeindevertreter haben auf ihrer Dezembersitzung 2025 beschlossen, das öffentliche Leihfahrradsystem von Grünheide auszubauen und weiterzuentwickeln. Es gab hierbei 15 Ja-Stimmen und eine Enthaltung. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Möglichkeiten eines flächendeckenden Angebotes zu prüfen.

Bedarf an umweltfreundlicher, flexibler und sozial gerechter Mobilität

Begründet wird der Vorstoß, der auf Initiative der Fraktion von SPD und Bündnis 90/Die Grünen in dem Gremium behandelt wurde, mit dem Bedarf an umweltfreundlicher, flexibler und sozial gerechter Mobilität. „Leihfahrräder ermöglichen es Einheimischen wie Gästen, auch ohne eigenes Fahrzeug schnell und klimafreundlich mobil zu sein“, heißt es in der Beschlussbegründung. Gerade für die sogenannte „letzte Meile“ seien sie eine kostengünstige, attraktive Ergänzung zum ÖPNV. Die Gemeindevertreter Albrecht Köhler und Maurice Heilmann (beide SPD), die den Beschluss mit initiiert haben, sprechen von „Flexibilität für Pendler: Wer mit der Bahn ankommt, hat sein eigenes Rad oft nicht dabei. Hier schließt das Leihrad die Lücke zum Arbeitsplatz oder nach Hause. Spontaner Mobilität: Ein Leihsystem ermöglicht klimafreundliche Wege auch dann, wenn man morgens ohne Rad aus dem Haus gegangen ist. Sowie sozialer Gerechtigkeit: Es bietet eine Mobilitätsgarantie für Menschen, die kein eigenes Fahrzeug besitzen oder deren Rad gerade reparaturbedürftig ist.“ Hinzu komme, dass Leihräder einen Mehrwert für den Tourismus darstellen. „Gäste, die mit dem ÖPNV anreisen, können unsere Gemeinde und die Natur flexibel und umweltfreundlich erkunden. Vielleicht schaffen wir damit auch ein wenig mehr Platz im RE1, wenn im Sommer die Touristen nicht mehr ihr eigenes Rad mitbringen müssen.“

Leihsystem „nextbike“ seit 2022 vor Ort

Bisher gibt es in Grünheide seit August 2022 ein Angebot der nextbike GmbH. Zu dem Netz gehören insgesamt 18 Standorte – unter anderem der Markplatz Grünheide, der Bahnhof Fangschleuse, die Tesla Gigafactory, das Edeka-Logistikzentrum sowie der Bahnhof Erkner. Einige sind physische Stationen mit Ständern und Info-Stelen, andere virtuelle Rückgabepunkte – zum Beispiel an Seen und am Rüdersdorfer Krankenhaus. Im Umlauf sind insgesamt 200 Räder. 2025 sind diese etwa 75.000 Kilometer gerollt.

Beteiligung der örtlichen Bevölkerung mit Wachstumspotenzial

Die Nutzung des Angebots ist angesichts der peripheren Lage gut“, schätzt Sprecherin Karoline Keybe von nextbike auf Nachfrage von „Grünheide im Blick“ ein. Ein Großteil der Nutzer seien Mitarbeitende der Finanzierungspartner – insbesondere Tesla, Edeka, das Krankenhaus Rüdersdorf sowie die Median Klinik Grünheide. Zudem werde das Angebot in den Sommermonaten verstärkt touristisch genutzt. Die örtliche Bevölkerung sei solide dabei, zeige jedoch weiteres Wachstumspotenzial.

Hauptrouten zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz

Als Hauptrouten nennt sie die zwischen den Bahnhöfen Erkner und Fangschleuse zu Tesla beziehungsweise dem Logistikzentrum von Edeka in Freienbrink sowie die Verbindungen zum Krankenhaus und zur Reha-Klinik. Karoline Keybe schätzt das Angebot in und um Grünheide als gelungen ein und bezeichnet es als eines der „Vorzeigesysteme im Bereich der betrieblichen Mobilität in Deutschland“. Dennoch werde Ausbaupotenzial in der stärkeren Anbindung der lokalen Bevölkerung aus Grünheide, Erkner und Woltersdorf durch zusätzliche Stationen gesehen, die von den Gemeinden geplant und mitfinanziert werden könnten.

E-Bike-Leihe im Winter verbilligt

Über nextbike hinaus gibt es in der Gemeinde noch eine zweite Ausleihmöglichkeit: die Tourist-Information mit ständig zwei und bis zu zehn Elektro-Fahrrädern – im Winter zu verbilligtem Preis. Das Angebot ist jedoch mit dem flexiblen Pendant nicht vergleichbar. Es richtet sich eher an Ausflügler, aber nicht ausschließlich. Wochenend- und Langzeitvermietungen sind möglich.

Prüfung von Kooperationsmöglichkeiten

Der Verwaltung soll nun laut dem Beschluss der Gemeindevertretung bei der Beschäftigung mit dem Thema Kooperationsmöglichkeiten mit nextbike oder anderen Anbietern prüfen. Als Standortvorschläge für Leihstationen sind in dem Beschlusstext die Bahnhöfe beziehungsweise Verkehrshalte in Fangschleuse (neu) und Hangelsberg aufgelistet sowie „touristisch relevante Orte“, zentrale Bushaltestellen und Ortsteile ohne gute ÖPNV-Anbindung. Zudem sollen Fördermöglichkeiten geprüft, die Kosten geschätzt und dabei mögliche Modelle für eine kommunale Beteiligung oder Konzessionsvergabe einbezogen werden. Außerdem wird auf die „Integration in bestehende Verkehrsangebote, insbesondere den Umweltverbund und die Verkehrswende“ hingewiesen.

Fahrradfahren in Grünheide immer wieder ein Thema

Übrigens ist das Fahrradfahren in Grünheide immer wieder ein Thema. So ist die Gemeinde unlängst nach Beschluss der Gemeindevertreter der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen beigetreten. Ziel hierbei ist es, den Radverkehr weiter zu fördern und dabei auch regionale Potenziale auszuschöpfen, hieß es in der Begründung. Zudem ist das „Stadtradeln“ eine feste Größe im Jahreskalender. Genauso wie die regelmäßigen Termine der Fahrradcodierung durch die Polizei. Vielleicht ist es auch diesem Engagement geschuldet, dass sich laut Polizeistatistik die Fahrraddiebstähle von 32 im Jahr 2023 auf 16 und damit die Hälfte in 2024 reduziert haben. (Anke Beißer)