Seit 2022 ist Kerstin Wasmuth als Koordinatorin für Pflege und aktivierende Seniorenarbeit in der Gemeinde Grünheide unterwegs. Kurz gesagt, sie ist „Die Kümmerin“. In der Praxis heißt das, dass sie Angebote in der Guten Stube im Bürgerhaus Spreeau in Spreewerder organisiert und Ansprechpartnerin rund um das Thema Pflege ist. Hinter diesen beiden Bereichen verbergen sich viele spannende Aufgaben. Diesen Monat legen wir das Augenmerk auf ihre Rolle als Kümmerin mit Pflegeberatung:
Welche Aufgabe hat die Kümmerin?
Kerstin Wasmuth: Sehr viele wissen es längst: Wenn es in unserer Gemeinde Fragen rund um Pflege, Pflegeversicherung, Wohnen im Alter und Vorsorge gibt, bin ich immer gerne für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige da. Wer sich fragt, wie etwa ein Pflegegrad beantragt wird oder wann eine Höherstufung möglich ist, kommt zur Sprechzeit zu mir. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, kann auch einen Termin für einen Hausbesuch vereinbaren. Ich komme mit meinem „Kümmerin-Mobil“ in alle Ortsteile. Daneben bekommt man bei mir Tipps zu den Entlastungsleistungen, zum Hausnotruf oder zur Wohnraumanpassung. Darauf hat jeder und jede ab Pflegegrad 1 einen Anspruch.
Was ist in diesem Jahr neu?
Seit dem 20. Januar 2026 gibt es auch im Land Brandenburg die Möglichkeit, Unterstützung durch Nachbarn oder Freunde mit der Pflegekasse über die Entlastungsleistungen abzurechnen. Welche Schritte dafür notwendig sind, erkläre ich sehr gerne.
Gibt es ein Thema, das heraussticht, immer wieder Fragen aufwirft?
Was vielen wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheint, ist die sogenannte Verhinderungspflege, auf die man ab Pflegegrad 2 einen Anspruch hat. Häufig springen Nachbarn, Freunde oder Verwandte ein und kümmern sich um die pflegebedürftige Person, wenn die eigentliche Pflegeperson verhindert ist. Das kleine Dankeschön für Helferinnen oder Helfer muss man nicht ganz und gar aus der eigenen Geldbörse bezahlen. Dafür kann das Budget für die Verhinderungspflege genutzt werden. Seit 2025 stehen dafür im sogenannten „Gemeinsamen Jahresbetrag“ (Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege) insgesamt bis zu 3539 Euro jährlich zur Verfügung. Wie das genau geht, kann man bei mir erfahren.
Die Informationen gehen aber auch über unmittelbar die Pflege betreffende Themen hinaus ….
Ja, oft gibt es Fragen, die nur mittelbar damit zusammenhängen. Das können Themen wie soziale Absicherung, Unfallversicherung und Entlastung für die Pflegepersonen, Wohngeld, Recht auf Teilhabe bei Behinderung oder Hilfe zur Pflege bei Heimunterbringung sein. Erste Informationen dazu erhält man bei mir. Ich kann die jeweils zuständigen Stellen und Ansprechpartner nennen und bei Bedarf den Kontakt herstellen. Ein weiteres wichtiges Thema, über das ich häufig mit Ratsuchenden spreche: Wie steht es um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht? Sind sie auf dem aktuellen Stand? Ich halte dafür entsprechende Broschüren und Formulare bereit.
Das Beratungsangebot wird gern genutzt, wann und wo ist die Kümmerin anzutreffen?
Es gibt monatlich Sprechzeiten, die sich im Vergleich zu 2025 jetzt etwas geändert haben.
Grünheide, Rathaus (Am Marktplatz 1): 3. Dienstag, 15 bis 18 Uhr
Hangelsberg, Bibliothek (Berliner Damm 10e): 2. Montag, 9 bis 12 Uhr
Kagel, Jugendclub (Gerhart-Hauptmann.Straße 25): 3. Donnerstag, 9 bis 12 Uhr
Spreeau, Bürgerhaus in Spreewerder, (Spreeauer Straße 28): 1., 3. und 4. Montag, 14 bis 17 Uhr sowie 1. Dienstag, 2. und 4. Mittwoch, 9 bis 12 Uhr
… und in den anderen Ortsteilen?
In Mönchwinkel können mit mir Termine im Gemeindehaus vereinbart werden, in Kienbaum im Bürgerhaus. Darüber hinaus sind in allen Ortsteilen Hausbesuche möglich. Alle Angebote sind übrigens kostenfrei.
Wie lautet der Kontakt?
Telefonisch ist das über 01573 752 80 52 möglich, per E-Mail an kuemmerin@gemeinde-gruenheide.de.
Stehen für 2026 spezielle Angebote im Kalender, die sich mit dem Thema Pflege befassen?
Das ist aktuell noch nicht zu Ende geplant. Fest steht, dass man mich immer auch bei den Veranstaltungen in der Guten Stube im Bürgerhaus Spreewerder für kurze Informationen und Terminvereinbarungen ansprechen kann. Nicht zuletzt ist das umfangreiche Angebot der Guten Stube durchaus auch als Präventionsmaßnahme zu verstehen, bietet es doch die Möglichkeit, neue soziale Kontakte herzustellen oder alte aufzufrischen, Gefühle von Einsamkeit zu verringern und das Gedächtnis, das Gleichgewichtsorgan oder die Fingerfertigkeit zu trainieren, kurz: selbst (wieder) aktiv(er) zu sein.
Ist es eigentlich etwas Besonderes, dass die Gemeinde Grünheide eine Kümmerin hat?
Als Kümmerin bekomme ich viele fachliche Informationen aus meinem Netzwerk, zu dem etwa Pflegestützpunkte, Kolleginnen und Kollegen in ähnlicher Rolle aus anderen Gemeinden, der Seniorenbeauftragte des Landes Brandenburg Norman Asmus, die Fachstelle „Altern und Pflege im Quartier“ und das Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg gehören. Wenn ich dort über meine Arbeit als Kümmerin und als Leiterin der Guten Stube berichte, werden die anderen oft hellhörig und wollen wissen, wie hier alles organisiert ist. Die Projekte „Kümmerin“ und „Gute Stube“ stoßen auf ein sehr gutes Echo der Fachleute und haben Beispielfunktion. Man kann wirklich sagen, dass damit in Grünheide ein sehr besonderes Angebot entstanden ist, um das uns andere beneiden. (Pauline Thiel/AB)


