Gleichstellung in Grünheide (Mark): Inga Haustein hört und schaut genau hin

„Ich hätte gar nicht gedacht, an wie vielen Stellen in Sachen Gleichstellung bei uns längst nicht alles rund läuft, wie umfangreich die Gesetze sind und wie oft sie im Alltag zu wenig Beachtung finden“, sagt Inga Haustein. In Brandenburg ist es für eine Gemeinde wie Grünheide (Mark) verpflichtend, das Thema zu berücksichtigen und eine Gleichstellungsbeauftragte zu bestellen. Und so hat seit Dezember 2024 die 37-Jährige alles, was damit zusammenhängt, in ihr Aufgabenfeld aufgenommen. „Es macht gut die Hälfte meiner Arbeit aus, die anderen Zeit widme ich weiter dem Veranstaltungsmanagement.“

Neues Arbeitsfeld erschlossen

Als sie vor gut eineinhalb Jahren erfuhr, dass die Stelle im Rathaus besetzt werden soll, hat sich die Grünheiderin beworben. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit gewesen, habe ich doch selbst schon negative Erfahrungen gemacht.“ Vor der Geburt ihres ältesten von zwei Kindern war Inga Haustein in der Privatwirtschaft tätig. Als sie damals ihrem Chef mitteilte, dass sie schwanger ist, habe der sie verwundert gefragt: „Ich dachte, du willst Karriere machen!?“

Benachteiligungen von Frauen sind nicht verschwunden

Benachteiligungen von Frauen sind trotz vieler Bemühungen in vielerlei Hinsicht längst nicht verschwunden. Und: Nicht nur sie sind davon betroffen. „Auch Männer müssen nicht selten ihre Rechte einfordern, allein schon, wenn es um Elternzeit, Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger geht.“ Hinzu komme Mobbing, das ohnehin nicht an ein Geschlecht gebunden sei. Seit Inga Haustein sich intensiv mit Gleichstellung befasst, hat sich ihr Blick für die kleinen und großen Baustellen geschärft, hört und schaut sie genauer hin.

Großes Netzwerk: Mehr als 500 Gleichstellungsbeauftragte aus Deutschland haben sich im Mai bei der Bundeskonferenz in Lübeck getroffen. Inga Haustein war für Grünheide dabei. Foto: BAG/Susanne Hübner
Großes Netzwerk: Mehr als 500 Gleichstellungsbeauftragte aus Deutschland haben sich im Mai bei der Bundeskonferenz in Lübeck getroffen. Inga Haustein war für Grünheide dabei. Foto: BAG/Susanne Hübner

„Meine Tür steht immer offen, wenn jemand Gesprächsbedarf hat.“ Sie wahre dabei absolute Diskretion. Ein Treffen ist nicht nur im Rathaus möglich. „Wir können uns auch auf neutralem Boden austauschen, zum Beispiel bei einem Spaziergang oder an einem anderen angenehmen Ort. Wichtig ist, dass Gespräche in einem geschützten Rahmen und ohne bürokratische Hürden stattfinden.“ Bisher hat sich Inga Haustein mit dem Studium der Gesetze und im kollegialen Austausch auf kommunaler, auf Landes- und Bundes-Ebene ein gutes fachliches Fundament erarbeitet. Das gebe ihr Sicherheit im Auftreten und schaffe Akzeptanz. Vorurteile, nunmehr eine womöglich radikale Feministin zu sein, räumt sie selbstbewusst aus dem Weg. „Ich bin und bleibe Inga, lasse die Kirche im Dorf.“

Erster Gleichstellungsplan in Arbeit

Ihr Arbeitsfeld geht weit über das Gesprächsangebot für Betroffene hinaus. Sie ist an den Verfahren zur Besetzung von Personalstellen beteiligt, arbeitet an einer Dienstanweisung für einen einheitlichen gender-gerechten Sprachgebrauch in der Verwaltung und dem ersten Gleichstellungsplan für und von der Gemeinde Grünheide.

Zeichen gesetzt: Beim Aktionstag „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ am 25. November 2025 hat Grünheide mit Bürgermeister Arne Christiani und der Gleichstellungsbeauftragten Inga Haustein erstmals Flagge gezeigt. Das soll in Zukunft weiter so sein. Foto Ariane Kaatz
Zeichen gesetzt: Beim Aktionstag „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ am 25. November 2025 hat Grünheide mit Bürgermeister Arne Christiani und der Gleichstellungsbeauftragten Inga Haustein erstmals Flagge gezeigt. Das soll in Zukunft weiter so sein. Foto Ariane Kaatz

Zudem will sie dem Thema mehr Sichtbarkeit geben. Dazu gehört seit dem Vorjahr das Hissen der Flagge „NEIN zu Gewalt an Frauen“ in Grünheide (Mark), ebenso wie die Frauenversammlung, die es künftig einmal im Jahr geben soll. „Ich möchte dabei im November die Finanzen für Frauen vom eigenen Konto bis zur Vorsorge zum Thema machen.“ Und die Rathaus-Mitarbeiterin möchte auch wieder den Frauentag feiern. „Im Haushalt gibt es für Gleichstellung seit diesem Jahr eine Position, so dass diese Angebote möglich sind.“

Begegnungswoche im August

Sie freut sich, gemeinsam mit dem Verein GrünheideNetzwerk e.V. nach langen Vorbereitungen die interaktive Wanderausstellung „ToleranzRäume“ vom 23. bis 30. August 2026 mit einer Begegnungswoche auf dem Marktplatz Grünheide (Mark) präsentieren zu können. Dahinter verbirgt sich eine Roadshow für Groß und Klein, die verdeutlicht, wie sich Leidenschaft für Gleichstellung und organisatorische Fähigkeiten gegenseitig bereichern und so gesellschaftliche Themen ins Bewusstsein rücken sowie Begegnungen in Grünheide (Mark) ermöglichen.

Beratung auch für Bürgerinnen und Bürger 

Und ganz neu: Inga Haustein bietet die Beratung nicht nur für Mitarbeitende der Gemeinde an, sondern öffnet sie für alle Grünheiderinnen und Grünheider, die sich nicht gleichgestellt fühlen. Jeden 2. Dienstag im Monat ist sie von 15 bis 18 Uhr im Eltern-Kind-Zentrum auf dem Löcknitzcampus anzutreffen. Eine Terminabsprache ist nicht notwendig. (Anke Beißer)

Kontakt: 03362 5088160