Die Grünheider Ortsfeuerwehr lädt am 24. Januar zum Blick hinter die Kulissen ein. Anders als an einem gewöhnlichen Tag der offenen Tür, bei dem die Wehrleute mit Schauvorführung und Kinderprogramm aufwarten, soll es diesmal um möglichst detaillierte Einblicke in das Ehrenamt gehen. Als Werbekampagne um neue Mitglieder, mit umfassender Information zum Werdegang, zum Engagement in der Einsatzabteilung und mit Technik zum Anfassen sowie Ausrüstung zum Reinschlüpfen. „Uns geht es weniger um eine Selbstdarstellung sondern mehr um die Suche nach neuen Mittreiterinnen und Mitstreitern“, sagt Ortswehrführer Tim Stokloßa.
Eine Generation fehlt
Aktuell zählt die Grünheider Truppe 44 Einsatzkräfte, darunter acht Frauen. Das Alter liegt zwischen 17 und 65 Jahren – wobei besonders die mittleren Jahrgänge, also zwischen Mitte 30 und Mitte 40 schwach besetzt sind. „Es wäre gut, wenn wir hier zulegen. Denn scheiden die Älteren aus, klafft eine große Lücke.“ Die Generation aber werde benötigt, um langfristig die Einsatzfähigkeit aufrechterhalten zu können. Besonders tagsüber. Alle in der Wehr seien berufstätig und so nicht immer bereit, um mit auszurücken. Die Vielfalt der Berufe sei groß. Neben Mitarbeitern der Verwaltung, die tagsüber das Rückgrat im Einsatzfall bilden, reicht das Spektrum von Berufsfeuerwehr über Elektriker, Fahrschullehrer, Garten-Landschafts- sowie Sauna-Bauer bis hin zum Vermesser und Koch. „Das zeigt, wie bunt die Truppe ist“, sagt Stokloßa und ergänzt, dass keiner zwingend eine Vorqualifikation, einen bestimmten beruflichen Hintergrund mitbringen muss. „Interesse an Technik wäre aber schon von Vorteil.“
Von Null auf 100 Prozent Feuerwehrmann
Tim Stokloßa selbst ist ein Beispiel, dass es nicht immer der Weg aus der Familientradition heraus oder über die Jugendfeuerwehr sein muss. Er selbst hatte null Beziehung zur Feuerwehr, als er 2012 nach Grünheide zog. Als gelernter Flugzeugmechaniker suchte er Anschluss in seinem neuen Heimatort. Das Ehrenamt, das der heute 34-Jährige als Ortswehrführer somit in einer Leitungsposition ausfüllt, wurde auch im Berufsleben seine Bestimmung: Seit 2015 ist er Berufsfeuerwehrmann. Warum er diesen Weg eingeschlagen hat? „Ich mag die Teamarbeit, und die in der Truppe empfinden genauso. Das schweißt zusammen. Ich bin gern hilfsbereit und ich habe selbst Spaß daran zu helfen.“

An dem Samstag im Januar soll es zwischen 10 und 14 Uhr darum gehen, aus erster Hand über die Freiwillige Feuerwehr zu informieren. Und vielleicht auch mit der einen oder anderen Befürchtung aufzuräumen. Denn es gebe zum Beispiel keine Verpflichtung, immer und ständig abrufbereit zu sein. „Kommt der Alarm über die App auf dem Handy rein, entscheidet jeder, ob er gerade einsatzbereit ist oder nicht. Wenn eine Familienfeier ansteht oder das Kind Betreuung braucht, muss man nicht alles stehen und liegen lassen.“ Zudem sieht man in der App, wie viele Kameraden bestätigt haben, ob noch Bedarf ist. Diese Einzelfallentscheidung ist jedem selbst überlassen. „Mit dem so gegebenen Spielraum gehen unsere Einsatzkräfte sehr verantwortungsbewusst um.“
„Wir wollen helfen, wenn es darauf ankommt!“
Worauf sich jedes potenzielle Mitglied aber einstellen muss, ist der zeitliche Aufwand, den das Ehrenamt mit sich bringt. Hier geht es um die verpflichtende Grundausbildung, die optionale weitere Qualifikation und Spezialisierung sowie Übungen. Die Grünheider treffen sich jeden Dienstag, 18.30 Uhr, im Gerätehaus in der Straße Am Schlangenluch zur Aus- und Weiterbildung. Hinzu kommen aber auch hin und wieder Termine am Wochenende. „Unsere Einsatzkräfte engagieren sich ehrenamtlich, also in ihrer Freizeit und ohne Bezahlung. Jedoch ist in unserer Gemeinde, gemäß einer geltenden Satzung, eine entsprechende Aufwandsentschädigung vorgesehen“, beton Tim Stokloßa. „Wir sind Menschen aus der Gemeinde, die eines verbindet: Wir wollen helfen, wenn es darauf ankommt!“
Zuschauen, schnuppern und Fragen stellen
Wer also Lust hat, sich das alles mal aus der Nähe anzuschauen, ist am 24. Januar bei der Grünheider Ortswehr herzlich willkommen. Es kann zugeschaut, reingeschnuppert und jede offene Frage rund um das Engagement gestellt werden.
Übrigens: Die Grünheider haben im Jahr 2025 rund 160 Alarmierungen gezählt. Das Gros machen Verkehrsunfälle und technische Hilfeleistungen aus. Die First Responder (Ersthelfer) wurden 19 Mal angefordert. Brände waren eher wenig vertreten. (Anke Beißer)
Infos und Fragen (auch über den Termin hinaus):
E-Mail: owf.gruenheide@feuerwehr-gruenheide.de
Telefon: 03362 6150 (Ortswehrführer Tim Stokloßa)


