
„Noch ist der Hort Hangelsberg ein leeres Blatt Papier. Wir haben die seltene Chance, ihn mit den Kindern und den Eltern von Anfang an nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir sehen aber auch, dass das ein große Herausforderung ist.“ Die Fäden hierfür hält Kai Thiele in der Hand. Der 40-Jährige ist Leiter der kommunalen Betreuungseinrichtung, die gerade als Pendant zur Tochterfiliale der Grünheider Gerhart-Hauptmann-Grundschule gestartet ist.
Aufregende erste Tage
Die ersten Tage waren für alle ziemlich aufregend. Kinder wie auch Erwachsene mussten sich an die neue Umgebung gewöhnen, sich organisieren und ihre Wege finden. „Die Kinder hatten ganz schön viel Power“, sagt Thiele. Jedes der neuen Spielgeräte sollte gleich ausprobiert werden, aber längst nicht alle hätten den Alltagstest bestanden. „Die Kinder kommen aber immer besser ins Spielen, lernen ihren Hort, ihre Räume und ihre Lieblingsplätze kennen.“
Angebote in Hülle und Fülle
Angebote und vor allem Freiräume gibt es in Hülle und Fülle. Anders als im Hort Grünheide spielen letztere in Hangelsberg die bevorzugte Rolle. „Wir wollen, so ist jetzt erstmal die Idee, nicht so viel vorgeben, keine zu engen Strukturen, wie zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften. Wir wollen unsere Arbeit mehr an den Interessen der Kinder ausrichten.“ Bunt und vielfältig.
Fünf Hortnerinnen plus Kai Thiele
Bei dem großen Raumangebot eine nicht ganz leicht zu lösende Aufgabe. Fünf Hortnerinnen plus Kai Thiele, der sich aber auch um die Büroarbeit, sprich die Leitung, und seine Weiterbildung zum Fachwirt für Hort- und Kitamanagement (im berufsbegleitenden Fernstudium) kümmern muss, sind für die Mädchen und Jungen da. Knapp 80 sind angemeldet, 60 bis 70 regelmäßig da. Sie können sich in dem offenen Haus auf zwei Etagen frei bewegen. Hier gibt es Räume mit sehr unterschiedlicher inhaltlicher Betonung.
Das Wolkennest (noch nicht ganz fertig): Es wartet darauf, zum Entspannungsraum zu werden. Hier soll Yoga angeboten werden, es ist zudem ein ruhiger Ort für Musik oder einfach zum „Runterkommen“.
Die Klecks-Bude: … ist, wie der Name erahnen lässt, der Kreativraum.
Die Werkel-Bude: In der Werkstatt stehen aktuell Holzarbeiten hoch im Kurs, wird fleißig gesägt und geschliffen – bevor die kleinen Kunstwerke in der Klecks-Bude mit Farbe versehen werden.
Die Freizeit-Oase: Sie wird möglicherweise vor allem die größeren Kinder anziehen, für die es schon ums „Chillen“ geht.

Das Tüftelwerk: Kleine Forscher und Schrauber werden hier reichlich Anregungen finden.
Der Fuchsbau: Kinder lieben es, Buden zu bauen und sich in ihnen zu verkriechen, um ganz unter sich zu sein. Hier ist dank großer Polster Gelegenheit dazu.

Die Spiel- und Wissenswelt: Hier ist der Ort für die Lernzeit, aber auch für Brett- und Gesellschaftsspiele.
Das Bau-Deck: Ob Lego, Korkbausteine oder anderes Baumaterial – hier können auf dem Fußboden, auf Tischen und Podesten jede Menge Traumschlösser errichtet werden.
Die Flitzebude: Ob Pedalo, Hopseball oder Buggy – wenn das Wetter draußen zum Toben nicht passt, bietet sich hier eine Alternative, den Bewegungsdrang auszuleben.
Der Bühnenzauber: Auch hier ist der Name natürlich Programm.
Der Ankerplatz: Dahinter verbirgt sich die Garderobe und der Bringe- und Abholbereich für die Eltern. „Weil wir ein ,Hausschuhhort‘ sind, kommt keiner mit Straßenschuhen in den eigentlichen Hortbereich“, erklärt Kai Thiele. In dem Raum gibt es auch Sitzgelegenheiten und erfrischende Getränke, was das Ankommen und Warten angenehmer machen soll.

Die Kinder melden sich für den Hortbesuch an und ab, und sie kennzeichnen mit einem Magneten, der ihren Namen trägt, ob sie auf dem Schulhof und somit draußen spielen werden oder sich im Haus aufhalten. Damit gibt der Hortleiter schon einen kleinen Einblick in die Organisation der Aufsicht. Für jeden im Team sind zwei Arbeitsmittel unabkömmlich: das Tablet, auf dem unter anderem vermerkt wird, welches Kind sich im Hort aufhält, und das Walkie-Talkie, über das zum Beispiel über die Abholung eines Kindes informiert wird – ohne dass die Hortnerin es persönlich abholen und ihren eigentlichen Platz verlassen muss.
„Vielleicht wollen uns hier ja auch Eltern oder Vereine unterstützen.“
„Das Haus bietet räumlich so viele Möglichkeiten, die wir noch gar nicht voll ausschöpfen können“, sagt Kai Thiele. Im Idealfall kann das Team um ein weiteres Mitglied wachsen, könnten auch Schulküche und Bibliothek noch mehr in die Angebote eingebunden werden. „Vielleicht wollen uns hier ja auch Eltern oder Vereine unterstützen. Im Ehrenamt.“ Zudem sollen möglichst bis zum Jahresende der Hortausschuss sowie der Hortrat gebildet werden, der Eltern und Kindern die Teilhabe ermöglicht. Und Thiele spricht von weiterer Zukunftsmusik. „Die Bedingungen rufen förmlich nach einem Herbstfest und einem Weihnachtsmarkt. Die Idee ist jedenfalls schon im Kopf. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das alles gleich in diesem Jahr zu stemmen ist.“
Kai Thiele hat sich seine Bewerbung reiflich überlegt
Für den Hortleiter ist es übrigens die erste Führungsposition. Und er habe sich seine Bewerbung reiflich überlegt. „Ich wusste, dass ich dann mehr im Büro sitze, weniger Projekte mit den Kindern umsetzen kann. Mir ist auch klar, dass ich in der neuen Rolle scheitern kann. Aber letztlich reizte mich die Aufgabe, und dieses Gefühl überwog.“ Der 40-Jährige ist im Beeskower Raum aufgewachsen, hat an der Korczak-Schule in Fürstenwalde die Ausbildung zum Sozialassistenten absolviert, sich dann für die Arbeit mit Kindern und die Ausbildung zu staatlichen Erzieher angehangen. Durch seinen Zivildienst im Hort Grünheide hatte er das erste Mal mit der Gemeinde in Berührung. Inzwischen ist er seit 15 Jahren als Erzieher in der Gemeinde Grünheide angestellt, erst im Hort Grünheide, dann in der Kita „Eulenbaum“ in Kienbaum und danach wieder im Hort auf dem Löcknitzcampus. Kai Thiele wohnt mit seiner Lebenspartnerin und zwei Töchtern, 14 und 8 Jahre alt, in Demnitz. (Anke Beißer)
