Wenn der Pieper ständig anschlägt – Berufsfeuerwehrtag für den Freienbrinker Nachwuchs

Spannender Programmpunkt: Beim Berufsfeuerwehrtag der Freienbrinker Jugendfeuerwehr ließ Stefan Weedoo von der Tesla-Werkfeuerwehr Theodor, Leon, Rubén und Lukas (von links) den kleinen Löschroboter (linkes Foto) steuern. Fotos: Susan Klenge/Montage: Anke Beißer
Spannender Programmpunkt: Beim Berufsfeuerwehrtag der Freienbrinker Jugendfeuerwehr ließ Stefan Weedoo von der Tesla-Werkfeuerwehr Theodor, Leon, Rubén und Lukas (von links) den kleinen Löschroboter (linkes Foto) steuern. Fotos: Susan Klenge/Montage: Anke Beißer

Es ist Ende September, Samstag, 9.30 Uhr. Die Jugendfeuerwehr Freienbrink hat sich gerade für ihren 24-Stunden-Dienst in der Rettungszentrale Freienbrink häuslich eingerichtet. Wie fast taggenau vor einem Jahr erleben die Kinder und Jugendlichen nun zum zweiten Mal einen Berufsfeuertag. Da ertönt schon das erste Mal der Pieper. Da die fünf Mädchen und 20 Jungen im Alter von 6 bis 16 Jahren gleich morgens um 8 Uhr, zum Beginn ihrer Schicht, in ihre Rollen eingeteilt wurden, ist die Aufgabenverteilung sofort klar. Die Gruppenführer flitzen zum Faxgerät und holen sich den Alarmbefehl ab: Unfall in der Eichenstraße, also gleich hinter dem Feuerwehrhaus, mit eingeschlossener Person. „Die Kinder mussten den Bereich für den Fahrzeugverkehr absperren, das Auto sichern und die Person, unsere mannsgroße Puppe, retten“, erzählt Jugendwart Oliver Klenge.

Los geht`s: Dennis Köppen (rechts), Gemeindegerätewart von Grünheide, führt zu Dienstbeginn am Samstagmorgen die Fahrzeugübergabe durch. Thomas Schiele (hinten Mitte) aus der Einsatzabteilung ist der eingeteilte Maschinist. Maurice, Marvin, Chiara, Till, Maxim, Maja, Greta, Felice besetzen als Gruppe für 24 Stunden das Fahrzeug. Foto: Sandra Lambeck
Los geht`s: Dennis Köppen (rechts), Gemeindegerätewart von Grünheide, führt zu Dienstbeginn am Samstagmorgen die Fahrzeugübergabe durch. Thomas Schiele (hinten Mitte) aus der Einsatzabteilung ist der eingeteilte Maschinist. Maurice, Marvin, Chiara, Till, Maxim, Maja, Greta, Felice besetzen als Gruppe für 24 Stunden das Fahrzeug. Foto: Sandra Lambeck

Nach der ersten spannenden Übung ging es nahtlos weiter, jetzt in in Sachen Ausbildung. Während die Jüngeren den Pflasterpass absolvierten, also in Erster Hilfe kindgerecht geschult wurden, ging es für die Älteren um die Knotenkunde. Kaum damit fertig, fuhr auch schon der Verein für Spür- und Rettungshunde Ostbrandenburg vor. Die Kids schlossen die fünf Vierbeiner gleich in ihr Herz, mehr noch, als sie erleben durften, was sie alles können. Denn die Hundestaffel demonstrierte gleich zwei Fälle der Personensuche. Zuerst galt es im benachbarten Brandcontainer, eine auf einer entlegenen Treppe versteckte Person zu finden. Für die Spürnasen an der langen Leine kein Problem. Und dann gab es auch noch einen Verunfallten irgendwo auf einer großen, unübersichtlichen Wiese im Gewerbegebiet. Auch hier klappte die Übung, und die Rettung war dank des Hundes schnell erfolgt.

Einsatz statt Mittagsschlaf

Auf das Mittagessen folgte – nein, nicht der Mittagsschlaf – ein Einsatz im Keller der Festtagsbetreuung Noack mitten im Dorf. In dem dunklen, mit allerlei umgefallenen Stühlen schwer begehbaren Untergeschoss war eine „Mitarbeiterin“ beim Aufräumen zu Schaden gekommen. „Hier hat uns eine Feuerwehrfrau aus Mönchwinkel geholfen und die Verletzte gespielt, zwei Kameraden hatten für das nötige Durcheinander gesorgt“, sagt Oliver Klenge und bringt somit gleich mal zwei Facetten der Unterstützung bei dem 24-Stunden-Dienst ins Spiel. Immerhin haben 13 Erwachsene, Feuerwehrleute und Angehörige, diesen mit abgesichert – sei es als Einsatzkraft, sei es bei der Verpflegung, sei es als Aufsicht. Aber zurück zum Unfall: Die Kinder mussten sich hier den Weg bis zu der Frau bahnen, dafür die Hindernisse beiseite räumen, das Opfer erstversorgen, schonend und fixiert auf einem Rettungsbrett lagern und dann aus dem Gebäude tragen. „Zehn Kinder haben mit angepackt“, hat der Jugendwart gezählt.

Tesla-Werkfeuerwehr zu Besuch

Zurück in der Rettungszentrale ging es Schlag auf Schlag weiter. Die Werkfeuerwehr von Tesla war mit ihren Löschrobotern vorbeigekommen, um zu zeigen, was sie dort leisten können, wo der Mensch nicht löschen kann – sei es, weil er nicht hinkommt oder weil es zu gefährlich ist. „Und das Beste war, dass die Kinder den kleinen Roboter selber steuern und ausprobieren durften.“ Die Begeisterung sei wirklich groß gewesen.

Teambuilding beim „heißen Draht“: Greta (vorn) und Felice und mussten so schnell wie möglich ihre Helme durch den Parcours wandern lassen. Foto: Susan Klenge
Teambuilding beim „heißen Draht“: Greta (vorn) und Felice und mussten so schnell wie möglich ihre Helme durch den Parcours wandern lassen. Foto: Susan Klenge

Nun sollte es etwas ruhiger werden. Teambuilding war an der Reihe. Angelehnt an das Spiel mit dem „heißen Draht“, sollten die Kinder ihren Helm so schnell wie möglich einen an Bauzaun entlang wandern lassen. Absperrband markiert den Weg. Bis zum Ende der Aufgabe schafften sie es aber nicht, denn in einer nahen Garten- und Landschaftsbaufirma war eine Brandmeldeanlage angesprungen. Mit Tatütata ging es zu dem Objekt. Es galt die Zufahrt zu sperren, die Lage zu erkunden und die Wasserversorgung aufzubauen – bis hin zu der Stelle, von der der Alarm ausgegangen war. Dort, in einem der Büros, war die Situation schnell klar: Es handelte sich um einen Fehlalarm.

Auch das Aufräumen gehört dazu: Rubén, Maja und Greta (von links) verladen die Ausrüstung nach dem Einsatz im Büro der Firma BBF im Gewerbegebiet Freienbrink, der durch einen Fehlalarm der Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Foto: Susan Klenge
Auch das Aufräumen gehört dazu: Rubén, Maja und Greta (von links) verladen die Ausrüstung nach dem Einsatz im Büro der Firma BBF im Gewerbegebiet Freienbrink, der durch einen Fehlalarm der Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Foto: Susan Klenge

Also konnte relativ schnell wieder abgerückt werden. Zeit fürs Abendessen. Kaum war das vorbei, meldeten sich die Pieper schon wieder. Abermals im Dorf, diesmal auf dem Parkplatz gegenüber der Festtagsbetreuung, war Hilfe gefragt. Ein Papierkorb hatte Feuer gefangen. „Wir konnten das mit dem Brandsimulator, den die Gemeindefeuerwehr seit Kurzem besitzt, perfekt simulieren“, freut sich Oliver Klenge über die Möglichkeiten, die sich mit der Anschaffung ergeben. Zumal der Simulator noch einmal, etwas später, in Aktion treten sollte. Als die Flammen gelöscht waren, hieß es für die Kinder und ihre Betreuer aber endlich durchatmen und Feierabend machen. Zum Ende des Tages kamen alle an der Feuerschale in großer Runde zu dem derzeit so beliebten Gesellschaftsspiel „Die Werwölfe“ zusammen. Als für die (geschafften) Kinder um 21.30 Uhr Nachtruhe war, wurde es in dem zum Schlafraum umfunktionierten Konferenzraum erwartungsgemäß schnell leise.

23 Uhr folgte wieder ein Alarm

Wer jetzt aber denkt, dass auf die Mädchen und Jungen nun nur noch das Traumland wartete, irrt. Natürlich gab es auch noch einen nächtlichen Alarm. Um 23 Uhr hieß es raus aus dem Bett und rein in die Uniform. Noch einmal ging es zum Gelände des Garten- und Landschaftsbauers, diesmal auf seinen Lagerplatz. Eine Frau – wir kennen sie schon als Opfer aus dem Keller – wollte ein Lagerfeuer mit Hilfe von Benzin entfachen. Dabei ist die Szenerie aus dem Ruder gelaufen. Sie hat sich Verbrennungen zugezogen (hier hat Schminke geholfen), rannte verwirrt umher und das Feuer blieb sich, samt der nahen Kanister, selbst überlassen. Das wurde dann durchaus ein etwas größerer Einsatz mit Aufgaben für unterschiedliche Trupps. „Aber auch das hat unser Nachwuchs mit Bravour gemeistert“, lobt der Jugendwart seine Mannschaft. Zurück in der Rettungszentrale musste das Feuerwehrauto noch gereinigt, die nassen Schläuche gegen trockene getauscht und der Wassertank des Fahrzeugs aufgefüllt werden. „Alles in allem hat das bis kurz nach Mitternacht gedauert.“

Der Jugendwart muss draußen schlafen

Dann aber war endgültig Ruhe und der erlebnisreiche Tag zu Ende. Damit auch alle zu ihrem Schlaf kommen, hat der Jugendwart für die nächsten Stunden seine Truppe verlassen. „Ich hatte voriges Jahr so sehr geschnarcht, dass mein Bett morgens von Schuhen überhäuft war, die nach mir geworfen wurden. Das wollte ich mir und den Kindern dieses Jahr ersparen.“ Also ist er für die Nacht in seinen Wohnwagen gezogen, den er vor der Tür geparkt hatte. Morgens dann riss ihn eine Überraschung aus dem Schlaf: Diesmal wurden nicht die Kinder vom Martinshorn geweckt, sondern allein er – und stand im Bett, wie es so schön heißt. Spaß gehört eben für beide Seiten, Einsatzkräfte und Jugendwehr, unbedingt dazu.

Abschlussrunde und Urkunde

Blieb, um das Projekt abzurunden, noch das Frühstück und die Abschlussrunde, die jedes der Kinder mit einer Urkunde verließ.

Übrigens: Eigentlich war noch ein Modul in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Oder-Spree geplant, der ja mit in der Rettungszentrale angesiedelt ist. Da dieser aber zu vielen (echten) Einsätzen ausrücken musste, fiel das aus. „Wir können das aber nachholen“, sagt Oliver Klenge. (Anke Beißer)