Jack Russel-Dame Wilma schnüffelt sich ins Herz der Kinder

Den Drittklässlern der Gerhart-Hauptmann-Grundschule Grünheide wurde nach den Osterferien ein kleines Wunder versprochen. Zu verdanken haben sie es der kleinen Jack-Russell-Hündin Wilma, die die Herzen der Mädchen und Jungen im Handumdrehen erobert hat. Ganz still sind die Kinder geworden, haben ihre Aufmerksamkeit dem Vierbeiner geschenkt, ihr Verhalten voller Respekt dem Tier angepasst. Kein Lärm, keine schnellen Bewegungen, an alles, worum sie Juliane Müller von der Heilpädagogischen gGmbH Fürstenwalde (Lebenshilfe Oder-Spree) im Umgang mit Wilma gebeten hat, haben sie sich gehalten. Die 47-Jährige hat mit ihrer Hündin 2021 eine Ausbildung in tiergestützter Therapie und Pädagogik absolviert und besucht seither unter anderem Schulen, wie jetzt die auf dem Löcknitzcampus. In ihrem Angebot nennt sie es „Herzensbildung auf vier Pfoten“, die die Sozialkompetenz die Kinder stärken soll.

Vierbeiner sorgt für kleine Wunder

„Grundsätzlich übertragen Tiere das gewisse Etwas“, weiß Juliane Müller. Und tatsächlich sorgt Wilma dafür, dass sich eine sehr besondere Atmosphäre im „Raum der Träume“ – einem der Wirkungsorte von Grünheides Kinderkoordinatorin Stefanie Höhn – breit macht. Statt in den Raum zu stürmen, gehen die Kinder auf leisen Sohlen hinein und setzen sich im Kreis auf den Teppich. Der Jack Russell schaut sich das an, kreuzt den Weg der Mädchen und Jungen, schnuppert hier und da und wirkt voller Vorfreude auf das, was gleich passiert.

Begrüßungsrunde: Die Jack Russell-Hündin bekommt beim Kennenlernen von jedem Kind ein Leckerli - so nähern sich beiden Seiten an. Foto/Montage: Anke Beißer
Begrüßungsrunde: Die Jack Russell-Hündin bekommt beim Kennenlernen von jedem Kind ein Leckerli – so nähern sich beiden Seiten an. Foto/Montage: Anke Beißer

Juliane Müller nennt es Arbeit und versichert, dass die Hündin diese gern erledigt. Mitten auf dem Teppich liegt ein Handtuch – Wilmas Arbeitsplatz. Außerhalb des Kreises ihr flauschiges Kuschelkissen, für die Ruhepause. Das sind ihre Bereiche, die die Kinder respektieren sollen – und es entsprechend tun.

Leckerli auf flacher Hand

Zur Begrüßung bekommt jedes Kind ein Leckerli in die Hand. Juliane Müller fragt in die Runde, wie es gegeben wird. Spätestens jetzt wird klar, die Mehrzahl der hier versammelten, halben 3a hat regelmäßigen Kontakt zu einem Hund. „Auf die flache Hand, richtig.“ Dann läuft Wilma von Kind zu Kind und erfährt, wer da alles im Kreis sitzt. „Hallo Wilma, ich bin Lina!“ Manche Kinder heben sogar den Zeigefinger und bringen den Jack Russell so zum „Sitz!“.

Mit Abstand geht es auch

Nur ein Mädchen fühlt sich etwas unwohl, meidet den Kontakt. Ihre Cousine habe ein unschönes Erlebnis mit einem Hund gehabt. Die Runde verlassen will sie aber nicht. Sie setzt sich neben Stefanie Höhn und fühlt sich dort offenbar besser. Auch wenn sie Wilma nicht berührt, beobachtet sie zunehmend entspannt und nimmt so aus dem Gespräch, dass Juliana Müller mit den Kindern über die Vierbeiner führt, trotzdem eine Menge Wissenswertes mit.

Von Kunststückchen und Regeln

Warum Hunde bellen, gehört dazu. Und ob es sich von Situation zu Situation unterscheidet. Wie aggressives Bellen klingt und wie ungeduldiges. Als hätte Wilma alles verstanden, hebt sie zu letzterem an. „Sie will endlich arbeiten, ich soll nicht so viel erzählen“, sagt die Hundeführerin schmunzelnd. Die Kinder erfahren, wo man die Tiere streicheln darf – aber natürlich nur, wenn der Besitzer vorher gesagt hat, dass es okay ist. Juliane Müller erklärt den Unterschied von Kunststückchen, wie Pfote geben, und Regeln, wie „bei Fuß“.

Liebe auf den ersten Blick: Lewin, Myron, Edvin und Lorenz (von links) haben die kleine Jack Russell-Dame Wilma sofort in ihr Herz geschlossen. Foto: Anke Beißer
Liebe auf den ersten Blick: Lewin, Myron, Edvin und Lorenz (von links) haben die kleine Jack Russell-Dame Wilma sofort in ihr Herz geschlossen. Foto: Anke Beißer

Wilma läuft derweil frei umher, geht zu ihrem Trinknapf und entdeckt schließlich einen großen Teddy neben dem Kinder-Kreis. Erst schnüffelt die Hündin ausgiebig an ihm, dann legt sie sich auf ihn und schließt die Augen. „Oh Kinder, das ist ein Beweis dafür, dass Wilma sich wohl bei euch fühlt, dass sie euch vertraut, obwohl sie euch und den Raum gar nicht kennt“, lobt Juliane Müller. Zudem habe der Jack Russell kundgetan, dass er sich nun erst einmal ausruhen möchte – und richtig, die für den Besuch eingeplante Dreiviertelstunde ist tatsächlich um. (Anke Beißer)