Salopp gesagt den Wald direkt vor der Nase – welche Schule kann das schon von sich behaupten. Die Grünheider Gerhart-Hauptmann-Grundschule auf dem Löcknitzcampus schon, und das auch noch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Löcknitztal. Sie ist quasi eingebettet in ein Meer von Bäumen, und so wundert es nicht, dass manch Lehrer gern Unterrichtseinheiten nach draußen an die frische (Wald-)Luft verlegt. Es gab hier schon zahlreiche Aktionen: Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, Eicheln gesammelt, die in selbst gebauten Kästen dem Eichelhäher nun für seine wertvolle Waldarbeit zur Verfügung stehen und es wurde auch Müll entsorgt, den Waldbesucher aus Versehen oder absichtlich zurückgelassen haben. Das Engagement im und für den Wald im Forstrevier Altbuchhorst freut natürlich den Revierförster Christian Hohm, der die Kinder ein ums andere Mal bei ihren Projekten begleitet. Und so bleibt es nicht aus, dass immer wieder neue Ideen geboren werden. Die neueste kommt dabei nicht nur den Mädchen und Jungen „von gegenüber“ zugute.
Eröffnung des lehrreichen Rundwegs
Am Mittwoch (6. Mai) wurde im Beisein der Grundschüler einen Waldlehrpfad eröffnet. Lars Kleinschmidt, Leiter des Forstbetriebs Hangelsberg, hatte hierzu ganz offiziell eingeladen. Mit dem Angebot gebe es jetzt drei dieser Wege in der Region. Einen in Erkner, nahe der Oberförsterei, einen in Hangelsberg, nahe dem Bahnhof und den nun eingeweihten in Grünheide. Was alle eint: Sie befinden sich in der Nähe von Schulen, so dass sich für einen praxisnahen Unterricht in der Natur beste Möglichkeiten bieten. „Was die Kinder im Unterricht hören, können sie im Wald hautnah erleben und im wahrsten Wortsinn begreifen“, sagte Kleinschmidt und betonte zugleich, dass das Projekt – umgesetzt von Forstbaumeister Phil Gericke und seinen Azubis – mit 10.000 Euro nicht ganz billig gewesen sei. „Wenn ihr mal wütend seid, lasst die Wut nicht an Tafeln aus, pflegt einen nachhaltigen Umgang!“

Schautafeln, Exponate und mehr
Den Lehrpfad auf den Spaziergang oder die Wanderung durchs Löcknitztal einzubauen, wird zweifelsohne auch Ausflüglern – mit und ohne Kindern – Freude bereiten. Der Start- und Endpunkt des Rundweges mit 16 Stationen befinden sich hinter dem Waldfriedhof Grünheide – aber es kann auch vom Waldparkplatz an der Großen Waldbrücke „eingestiegen“ werden. Auf dem etwa zwei Kilometer langen Weg verraten Schautafeln und zahlreiche „Waldmännlein“ viel Wissenswertes zu Pflanzen, Tieren und der Forstwirtschaft in der Region. Wer arbeitet eigentlich im Wald? Gehören Zäune wirklich hierher? Wer ist der Forstmeister im bunten Rock? Und gibt es eine Badewanne für die Waldbewohner?
Alles aus der Nähe zu betrachten
Zudem wurde ein Waldstück gewählt, wo der Waldumbau von Kiefer-Monokultur auf einen Mischwald schon sehr gut erkennbar ist. Hier lassen sich Spätblühende Traubenkirche, verschiedene Eichenarten sowie Sandbirken ganz aus der Nähe betrachten. Wer über eine Birds-App verfügt, kann sicher sein, dass die Vogelstimmen-Erkennung einiges zu tun bekommt. Auf halber Strecke lädt zudem eine Schutzhütte direkt am Naturschutzgebiet Löcknitztal zum Verweilen ein.

Lehrpfad als Puzzleteil in Wanderung
Für Ausflügler lässt sich der Lehrpfad bei einer Wanderung durchs Löcknitztal, vorbei an den von der IG Löcknitztal liebevoll gepflegten Wiesen – reich an Orchideen und Schmetterlingen –, als reizvoller Abstecher einbauen. Der Löcknitztalweg – so die offizielle touristische Bezeichnung – ist zudem Teil des 66-Seen-Wanderweges, der auch an der Fontane-Kiefer, beziehungsweise ihren Resten vorbeiführt. Sie war bei einem Sturm im Juni 2024 zu Boden gegangen. Inzwischen erinnert unweit von ihr ein extra dorthin transportierter großer Findling – ab Samstag (9. Mai) mit einer Gedenktafel versehen –, an das stattliche Gehölz, an dem der Dichter Theodor Fontane auf den Wanderungen durch die Mark möglicherweise vorbeigekommen ist. (Anke Beißer)


