Fahrservice benötigt? – Pilotprojekt nimmt Fahrt auf

Pilotprojekt macht glücklich: Fahrer Michael Eyck fuhr unter anderem die Gruppe um Roswitha Richter aus Freienbrink zum Sommerfest der Guten Stube. Foto: Pauline Thiel
Pilotprojekt gestartet: Michael Eyck hat im August erstmals Senioren zum Bürgerhaus Spreeau chauffiert. Roswitha Richter aus Freienbrink war froh über den Fahrservice zum Sommerfest in der Guten Stube. Foto: Pauline Thiel

Mit dem Alter kommt die ein oder andere Veränderung. Zum Beispiel ist es möglich, dass man ab einem bestimmten Zeitpunkt kein Auto mehr fahren kann oder möchte. Welche Möglichkeiten bleiben, wenn man auch keine Bekannten als Fahrgemeinschaft mobilisieren kann und trotzdem am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte? Diese Frage kommt früher oder später auf Menschen zu. In Grünheide wird dieses Thema schon länger diskutiert. Auch bei der Kümmerin Kerstin Wasmuth kam es immer wieder in Gesprächen auf den Tisch. Welche Lösung muss oder kann die Kommune anbieten?

Herausforderungen einer Flächengemeinde

Anfragen und Überlegungen wurden sowohl an Bürgermeister Arne Christiani als auch die Amtsleiterin für Soziales, Bildung und Kultur, Anne-Kathrin Rochow, gerichtet. Der öffentliche Nahverkehr für die gut 9200 Einwohner der Gemeinde steht vor Herausforderungen. Bei einer Flächengemeinde über 127 Quadratkilometer muss man oft auf das eigene Auto oder Fahrgemeinschaften zurückgreifen. Doch fehlt einem eines der beiden, bleibt oft nur das Zuhausebleiben und folglich die Nichtteilnahme. Dabei verspricht der Blick in den Veranstaltungskalender der Gemeinde online oder in der Grünheide-App ein buntes Angebot gegen Langeweile uns Einsamkeit.

Grünheide Vorreiter und an Lösungen interessiert

Im Juli, nach einem Besuch der Amtsleitung in der Guten Stube, wurde geprüft und die Freigabe für ein besonderes Pilotprojekt gegeben: ein Fahrservice für die Gute Stube mit einer Testphase von Anfang August bis Ende Dezember 2026. Besteht doch so die Möglichkeit zu belegen, welchen Mehrwert es geben könnte, wenn aus den jeweiligen sechs Ortsteilen der Gemeinde Personen die Möglichkeit bekommen, die Veranstaltungen der Guten Stube zu besuchen.

Vorteilhafte Vernetzung im Familienzentrum

Hier zeigte sich der Vorteil der engen Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen des Familienzentrums. Seit einigen Monaten gibt es ein zusätzliches, größeres Fahrzeug mit insgesamt acht Sitzplätzen, das meist von der Jugendkoordination genutzt wird. Das Fahrzeug ist nicht in vollem Maße barrierearm, bietet aber für eine Testphase die ideale Grundlage, da sich keine Zusatzkosten ergeben. Mit Michael Eyck konnte ein Fahrer gewonnen werden, der alle nötigen Anforderungen für die Personenbeförderungen mit sich bringt. Zusätzlich hat der Fangschleuser einen langjährigen, beruflichen Hintergrund in dem Bereich und freut sich, einen großen Anteil an diesem Projekt in seinem Wohnort zu haben.

1. Fahrt geglückt: Michael Eyck fuhr eine Gruppe aus dem Ortsteil Grünheide zum Sommerfest in die Gute Stube. Foto: Pauline Thiel
Nach erster Fahrt am Ziel: Michael Eyck fuhr eine Gruppe aus dem Ortsteil Grünheide zum Sommerfest in die Gute Stube nach Spreewerder. Foto: Pauline Thiel

Die Koordination des Projektes übernimmt Pauline Thiel vom Lokales Bündnis für Familie. Sie hat sich dem Anliegen angenommen, stimmt mit Kerstin Wasmuth ab, welche Angebote durch den Fahrservice profitieren könnten und behält das Budget sowie die Abläufe im Auge. Je nach Anmeldungen werden Fahrtroute und Abholzeiten festgelegt. „Ab einer Woche vor dem nächsten Event mit Fahrservice darf man mich anrufen und Interesse bekunden“, wird der Ablauf von der Altbuchhorsterin erklärt. Der Startschuss des Projektes hat bereits mit dem Sommerfest am 4. August stattgefunden. Elf Personen haben den Service genutzt und wollen bei einer der nächsten Gelegenheiten wieder dabeisein.

Was die Testphase bringt

Mit der Testphase soll herausgefunden werden, wie viele Menschen konkret einen niederschwelligen, individuellen Service nutzen würden. Anhand der gesammelten Erfahrungen wird es dann weitere Gespräche mit der Amtsleitung, dem Bürgermeister und dem Grünheider Seniorenbeirat geben. Letzterer setzt sich bekanntlich für die Generation „55 plus“ besonders ein und versucht, mit einem Fragebogen den Bedarf der Menschen zur Mobilität genauer zu benennen. Dieses Zusammenspiel von Theorie und Praxis soll eine Gesprächsgrundlage bilden. Sie könnte zeigen, welche Fahrten wann und wie gebraucht werden, um die Möglichkeit zur Teilnahme an Veranstaltungen in der Gemeinde zu geben, was letztendlich zu gemeinsamen Erlebnisse führt und Einsamkeit verringert.

Noch bis zum Jahresende testen

Grünheider Bürgerinnen und Bürger die diesen Fahrservice nutzen wollen, haben aktuell noch bis zum Jahresende die Gelegenheit. Im aktuellen Monatsprogramm der Kümmerin sind alle Veranstaltungen gekennzeichnet, für die der kostenfreie Fahrservice möglich wäre. (PT)

Zum Veranstaltungsplan der Guten Stube geht es hier. 
Information zum Fahrservice und Kontakt: Pauline Thiel 01515  323 52 43