Mit der Guten Stube auf ganz besonderer Zeitreise

Gemeinsam unterwegs: Die Gute Stube auf Zeitreise im Gründerzeitmuseum. Foto: Diana Wüsthoff
Gemeinsam unterwegs: Die Gute Stube auf Zeitreise im Gründerzeitmuseum. Foto: Diana Wüsthoff

„Bevor ich in Rente gehe, würde ich so gern noch eine Busfahrt mit den Leuten machen, für die ich hier fünf Jahre lang tätig war. Vor allem mit vielen Stammgästen der Guten Stube.“ Diese Aussage von Kümmerin Kerstin Wasmuth ging Pauline Thiel, Koordinatorin Lokales Bündnis für Familie, nicht aus dem Kopf. Die beiden Kolleginnen arbeiten seit gut zweieinhalb Jahren eng zusammen. So wurde der Wunsch vor ein paar Monaten wieder auf den Tisch gebracht. Kerstin Wasmuth, die zum Ende des Jahres den Staffelstab an Nachfolgerin Kerstin Erdmann vollends übergeben wird, war mehr als dankbar, dass ihre Kollegin aus dem Familienzentrum hartnäckig blieb und diesem Projekt zur Umsetzung verhalf. Denn neben der Organisation von Bus, Programm und Teilnehmern mussten die üblichen Tagesaufgaben bewältigt werden.

Bunte Herbstfarben als Auftakt in den Tag

Auf gehts zur Zeitreise: Kerstin Wasmuth (links) und Pauline Thiel (rechts) haben Ideen und Herzblut in die Planung der Reise gesteckt. Foto: Christopher Seeck
Auf geht’s zur Zeitreise: Kerstin Wasmuth (links) und Pauline Thiel (rechts) haben Ideen und Herzblut in die Planung der Reise gesteckt. Foto: Christopher Seeck

Am Freitag, dem 16. Oktober, war es dann endlich soweit. Bei bestem Sonnenschein startete die Zeitreise zunächst in Kagel. „Da Anmeldungen aus allen Ortsteilen kamen, passten wir die Abfahrt an“, gibt Pauline Thiel Auskunft über den geänderten Startpunkt. Denn statt Nordstrandparkplatz kamen nun alle Teilnehmer in den Genuss einer Abholung aus ihrem jeweiligen Ortsteil. Und so konnte man ganz nebenbei die herrlichen Herbstfarben und die Natur der Heimat bereits bei der Fahrt zum neuen Startpunkt Marktplatz Grünheide bewundern.

Eine Busfahrt voller Überraschungen

Nachdem das Ortsschild Grünheide hinter der Reisegruppe lag, stand die Fahrt zum Gründerzeitmuseum nach Berlin an. Dank Andrea Hein, vielen bekannt aus dem Angebot „Sanft Bewegt“ in der Guten Stube, wurde der gesamte Bus bald von herzlichem Lachen erfüllt. Eine mit Liebe vorbereitete Tombola der ganz besonderen Art und nach eigener Aussage nur mit Gewinnen gefüllt, ließ die Fahrt im Fluge vergehen.

Ganz schön was los im Bus: Andrea Hein hatte als Überraschung eine Tombola im Gepäck. Foto: Pauline Thiel
Ganz schön was los im Bus: Andrea Hein hatte als Überraschung eine Tombola im Gepäck. Foto: Pauline Thiel

Spätestens dann wurde allen klar, dass diese Busreise eine ganz besondere werden würde. 69 Lose waren im Nu verteilt. Die Gewinne hinter den frechen Sprüchen sollten zu einem späteren Zeitpunkt an dem Tag verteilt werden und erneut für großen Spaß sorgen.

So viel Spaß in lustiger Runde: Lose mit frechen Sprüchen und Gewinnen sorgten für Gute Laune. Fotos: Pauline Thiel/ Collage: Anke Beißer
So viel Spaß in lustiger Runde: Lose mit frechen Sprüchen und Gewinnen sorgten für Gute Laune. Fotos: Pauline Thiel/Montage: Anke Beißer

Kindheitserinnerungen geweckt

Gegen 13.30 Uhr stand der erste Höhepunkt der Zeitreise an: Eine Begegnung mit der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Gründerzeitmuseum im ehemaligen Gutshaus Mahlsdorf. Hier hatte Charlotte von Mahlsdorf ihre Schätze zusammengetragen. Diese Sammlung sorgt noch heute dafür, dass Besucher schnell in die damalige Lebensweise eintauchen und dabei ganz besondere Musikschränke entdecken können. Ganz klar, ein Erlebnis, das sogar die ein oder andere nicht ganz so leicht zu nehmende Treppenstufe lohnenswert machte.

Bekanntes und Neues: neben vielen Möbelstücken, die Kindheitserinnerungen weckten gab es auch vielen Neues zu bewundern. Foto: Kerstin Wasmuth
Bekanntes und Überraschendes: Neben vielen Möbelstücken, die Kindheitserinnerungen weckten, gab es auch viel Unbekanntes zu bewundern. Foto: Kerstin Wasmuth

Essen verbindet

Natürlich muss Gesehenes verarbeitet werden. Am besten bei einem Getränk und einer deftigen Brotzeit. Dafür hatte Kerstin Wasmuth das ungarische Restaurant „Zum Ziehbrunnen“ ausgewählt – gemäß dem Zeitreise-Motto ein Besuch mit einem Augenzwinkern im „sozialistischen Ausland“ der 70er/80er-Jahre. An bunt gemischten Tischen ließen sich die Gäste bei angeregtem Gedankenaustausch eine Brotzeit mit Suppe, ungarischer Salami, Schopskasalat und Kuchen schmecken. Währenddessen verteilte Andrea Hein unter viel Gelächter die witzigen Preise der Tombola. So gab es zum Beispiel für das Los mit der Aufschrift „Beamtensportgerät“ ein Gummiband, an dem rechts und links je eine Büroklammer befestigt war.

Auf einen gelungenen Tag: gemeinsames Anstoßen von Teilnehmern der Zeitreise. Foto: Pauline Thiel
Ein Prosit auf einen gelungenen Tag: gemeinsames Anstoßen im Restaurant. Foto: Pauline Thiel

Abschluss mit Berliner Abendstimmung

Mit aufgeladenen Akkus führte die Zeitreise anschließend in die im wahrsten Wortsinn hell erleuchtete Gegenwart. Aus Anlass des „Festival of Lights“ (Lichterfest) fuhr der Bus zu einer Lichterfahrt von Mahlsdorf ins Zentrum von Berlin. Wie sich zeigte, waren Tausende auf diese Idee gekommen und der Bus aus Grünheide musste mehrfach die Route an den extrem dichten Verkehr anpassen. Doch der farbig angestrahlte Postbahnhof, der beweglich illuminierte Fernsehturm, die mit leuchtenden Blumen verzierte Marienkirche und die futuristisch strahlenden Hochhäuser am Potsdamer Platz wurden neben dem allabendlichen Lichtermeer in Berlin sehr von der Gruppe bewundert.

Wenn es dunkel wird: als Abschluss fuhr der Bus durchs erleuchtete Berlin. Fotos: Kerstin Wasmuth/ Collage: Anke Beißer
Wenn es dunkel wird: als Abschluss fuhr der Bus durchs erleuchtete Berlin. Fotos: Kerstin Wasmuth/Montage: Anke Beißer

Gegen 20 Uhr setzte sich der Bus von Berlin wieder Richtung Grünheide in Bewegung. Nach und nach stiegen in den Ortsteilen nach der langen Fahrt erschöpfte, aber über die Maßen zufriedene Gäste aus, die sich wohl noch lange an diesen besonderen Tag erinnern werden.

Zusatz: Alle 6 Ortsteile in einem Bus

Die Gute Stube im Bürgerhaus Spreeau hat von Dienstag bis Donnerstag geöffnet. Ein monatlich veröffentlichtes Programm verrät, welche Veranstaltungen zu erwarten sind. Durch die Einladung im diesem und in einem Artikel in der „Heide Aktuell“ hatten sich 42 Personen angemeldet. Besonders ist hier hervorzuheben, dass es sich um Gäste aus allen sechs Grünheider Ortsteilen handelte. Ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde Angebote schafft, die die gesamte Kommune verbinden. Dieser Effekt wurde auch besonders durch das seit August diesen Jahres vorhandene Fahrservice Pilotprojekt gestärkt. Hier können Interessierte die kostenfreie Fahrt zu ausgewählten Veranstaltungen in der Guten Stube anfragen. Die Teilnahme an Angeboten der Guten Stube bietet nämlich neben dem Erlebnis an sich auch sehr schöne Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, nicht allein, sondern in einer Gemeinschaft gut aufgehoben zu sein. (Kerstin Wasmuth/Pauline Thiel)