Praktikum beim Lokalen Bündnis endet: „Das könnte ich immer weiter machen.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Arbeit mit Kindern so einen Riesenspaß macht, ich finde sie echt gut.“ So lautet das Fazit von Ymain Herzog am Ende ihres ersten Praxis-Halbjahres, das sie ihm Rahmen der 11. Klasse als Schülerin der Docemus Privatschule Neu Zittau absolviert. Ihr Ziel ist, am Ende der 12. Klasse das Fachabitur im Bereich Sozialwesen in der Tasche zu haben. In diesem Schuljahr schnuppert sie drei Tage pro Woche in den Berufsalltag hinein. Dabei hat sie sich – über einen kleinen Umweg – für das Lokale Bündnis für Familie entscheiden. Zumindest für die Hälfte der Zeit. Wie es dazu kam?

Nach 10. Klasse neuen Weg eingeschlagen

Die fast 17-Jährige hatte sich zum Ende der 10. Klasse hin entschieden, vom Gymnasium der Privatschule in Grünheide nach Neu Zittau zu wechseln. „Ich habe es mir nicht leicht gemacht, mit meinen Eltern, Großeltern, Lehrern und Freunden lange beraten“, erzählt die Altbuchhorsterin. Fakt war, der Schulalltag setzte sie massiv unter Druck, Mathe fiel ihr besonders schwer. Ymain Herzog wusste, sie musste etwas ändern. So fiel die Entscheidung letztlich für den Weg zu Fachabitur. „Und ich bin sehr froh darüber, es war richtig. In Mathe bin ich jetzt sogar richtig gut.“

Praktikum mit zwei Etappen

Für den Start brauchte sie aber einen Praktikumsplatz. Denn die 11. Klasse bedeutet montags und dienstags die Schulbank drücken, und mittwochs bis freitags, in Summe 800 Stunden, Berufserfahrung sammeln. Ihre Mitschüler sind zum Beispiel in der Reha-Klinik, bei Physiotherapeuten und in Kitas fündig geworden. „Ich wollte eigentlich ins Christian-Schreiber-Haus, gleich bei mir um die Ecke.“ Denn bereits in der 10. Klasse hatte Ymain ein Praktikum absolviert, bei einem Fitnessstudio in Berlin. „Morgens eineinhalb Stunden hin und nachmittags wieder so zurück: Das wollte ich nicht mehr. Das stand definitiv fest.“

In der katholischen Kinder- und Jugendbildungsstätte in Altbuchhorst war der Einstieg aber erst zum zweiten Halbjahr möglich. Also musste sie noch einmal überlegen. Da sie Pauline Thiel, die Koordinatorin des Lokalen Bündnis für Familie kannte, fragte sie bei ihr an. Und hatte Glück. „Die Schule hat auch zugestimmt, allerdings muss ich jetzt zwei Zwischenbeurteilungen bringen und zwei Berichte schrieben. Aber das war es mir wert.“

„Ich wurde gleich mit offenen Armen empfangen.“

Nun also steht Ymain Herzog kurz vorm Abschluss der ersten Runde. Und wie ist es ihr ergangen? „Ich wurde gleich mit offenen Armen empfangen.“ Alle, mit denen sie zu tun hatte, seien sehr lieb zu ihr gewesen und die Arbeit habe viel Spaß gemacht. „Ich sehe das Leben jetzt aus anderer Sicht, es ist nicht alles Zuckerschlecken.“ Ihr Praktikum beim Bündnis war auch mit Einsätzen am Wochenende verbunden. Das sei für sie ungewohnt gewesen, denn das Wochenende gehörte bisher der Familie, der Auszeit mit Freunden, dem Handballsport. Sie habe gestaunt, wie abwechslungsreich die Arbeit an der Seite von Koordinatorin Pauline Thiel ist, die ihr eine tolle Mentorin war. Sie sei bei Arbeitsberatungen dabei gewesen, habe im Eltern-Kind-Zentrum geholfen, wobei es ihr die Frühstücks-Spielplätze und die Familien-Nachmittage besonders angetan hatten. „Das könnte ich immer weiter machen.“ Sie habe mit den Kindern gespielt, gebastelt, aber habe auch Kontakte zur älteren Generation gehabt, bei Festen in der „Guten Stube“, dem Seniorentreff in Spreewerder mit angepackt. Und in der Bibliothek Bücher sortiert.

Zum Abschluss ein Mini-Cupcake-Workshop

Den Abschluss ihrer halbjährlichen Stippvisite bildete ein Mini-Cupcake-Workshop für Kinder. Das war ihr eigenes Projekt, dass sie von der Idee über die Planung und Organisation bis zur Umsetzung eigenverantwortlich umgesetzt hat. „Ich war zuvor ganz schön aufgeregt. Ich wusste nicht, wie viele Kinder kommen. Ich wusste aber, dass es schwierig für mich wird, wenn viele gleichzeitig unterschiedliche Dinge von mir wollen.“ Das Backen an sich, 200 Cupcakes sollten es werden, habe sie nicht beunruhigt. Denn das gehört zu Dingen, die sie gern macht und gut kann. Dass ihr Angebot letztlich zwei Dutzend Kinder angelockt hat, freute sie natürlich. „Sie haben die Cupcakes dekoriert und auch gegessen. Jeder durfte drei mit nach Hause nehmen.“ Am Ende des Tages sei sie ganz schön erschöpft gewesen, aber das gehöre ja dazu.

Im Praktikum fürs Leben gelernt

Ymain hat in dem Halbjahr durchaus fürs Leben gelernt. Sie musste zusehen, wie sie ihren ungewohnten 8,5-Stunden-Tag mit ihren Hobbys koordiniert. Schließlich spielt sie Handball in Altlandsberg und will das auch nicht missen. Zudem mag sie den Garten. „Ich habe Anfang des Jahres begonnen, meine ersten drei Litschis aus Kernen selbst zu ziehen. Ich bin gespannt, ob es gelingt.“ Und sie genießt die Zeit mit ihrem Freund und einem befreundeten Pärchen. Da wundert es nicht, dass sie sich in ihrer ersten Erfahrung, die sie bei besagtem Praktikum in Berlin gemacht hatte, bestätigt sieht. „Ich will keine langen Wege.“ Und zur Halbzeit ihres Praktikums weiß die Altbuchhorsterin, dass es nicht immer die Hauptstadt sein muss, dass es lohnt, in der Nähe nach einer Aufgabe zu schauen. (Anke Beißer)