Warten auf den letzten Zug

Die vom Ortsbeirat und vom Heimatverein Grünheide ausgesprochene Einladung, den Abschied vom alten Bahnhof Fangschleuse mit einer kulturell-historischen Abschieds- und Erinnerungsveranstaltung zu begehen, ist mit großem Zulauf dankbar angenommen. Die Besucher strömten am Freitag, 24. Juli, in Scharen an den Standort, an dem seit dem 15. Mai 1879 regelmäßige Züge hielten und wieder abfuhren. Manche waren ganz in Schwarz, als Trauergemeinde gekleidet. Denn für viele Grünheider hat der Umzug des Bahnhofs rund 1500 Meter weiter westlich einen bitteren Beigeschmack. Hängt doch viel Geschichte, viel Tradition und viel Erinnerung an dem Fachwerkgebäude (erbaut um 1900, saniert Mitte der 2010er-Jahre) und den angrenzenden Bahnsteigen.

Letzten Zug gebührend würdigen

Wohl auch deshalb hatten sich die Fangschleuser dazu entschieden, den historischen Standort nicht so ganz sang und klanglos aufzugeben. Vielmehr sollten die letzten beiden Züge (planmäßig 19.20 Uhr in Richtung Berlin/19.38 Uhr planmäßig in Richtung Frankfurt) gebührend gewürdigt werden. Und so mischten sich historische Figuren wie der Bahnhofsvorsteher Karl Krause (Gerrit Fiedler vom Grünheider Carneval Klub), Gerhart Hauptmann (Hans-Peter Hendricks), Hauptmanns literarische Figur Bahnwärter Thiel (Frank Schmitt, beide vom Heimatverein Erkner) und Transportpolizist Günter Krause (Uwe Werner vom Ortbeirat) sowie ein – namenloser – Volkspolizist samt seinem Wartburg (Hans-Günter Wehr von den Ifa-Freunden Trebus) unter die Besucher. Immer wieder wurden sie zum beliebten Fotomotiv.

Illustre Truppe: Karl Krause (Gerrit Fiedler vom Grünheider Carneval Klub), Gerhart Hauptmann (Hans-Peter Hendricks vom Heimatverein Erkner), ein – namenloser – Volkspolizist (Hans-Günter Wehr von den Ifa-Freunden Trebus), Transportpolizist Günter Krause (Uwe Werner vom Ortbeirat) und Hauptmanns literarische Figur Bahnwärter Thiel (Frank Schmitt, ebenfalls aus Erkner; von links) posierten immer wieder als beliebtes Fotomotiv. Foto: Anke Beißer
Illustre Truppe: Karl Krause (Gerrit Fiedler vom Grünheider Carneval Klub), Gerhart Hauptmann (Hans-Peter Hendricks vom Heimatverein Erkner), ein – namenloser – Volkspolizist (Hans-Günter Wehr von den Ifa-Freunden Trebus), Transportpolizist Günter Krause (Uwe Werner vom Ortbeirat) und Hauptmanns literarische Figur Bahnwärter Thiel (Frank Schmitt, ebenfalls aus Erkner; von links) posierten immer wieder als beliebtes Fotomotiv. Foto: Anke Beißer

In einem Pavillon hatte der Heimatverein zudem eine kleine Ausstellung aufgebaut. Ein Modell zeigte den Bahnhof in 3D, auf Fotowänden war das Werden, Bestehen, Verfallen, Wiederbeleben und schließlich das letzte Kapitels des Haltepunktes zu sehen.

Ausstellung: Der Heimatverein hatte das Modell, Fotos und weitere Exponate mitgebracht, die die Geschichte des Bahnhofs illustrierten. (linkes Foto) Zudem kann sich der Verein über die Original-Fenster der Fahrkartenschalter freuen, die nun in seinem Eigentum sind. (rechtes Foto) Fotos/Montage: Anke Beißer
Ausstellung: Der Heimatverein hatte das Modell, Fotos und weitere Exponate mitgebracht, die die Geschichte des Bahnhofs illustrierten. (linkes Foto) Zudem kann sich der Verein über die Original-Fenster der Fahrkartenschalter freuen, die nun in seinem Eigentum sind. (rechtes Foto) Fotos/Montage: Anke Beißer

Alle Hände voll zu tun hatte zudem Sabine Pollex vom Verein Historische S-Bahn Berlin. Sie wurde nicht müde, Fahrkarten der Preisklasse 3 gegen eine kleine Spende auszugeben, die dann von den Erwerbern eigenhändig entwertet, sprich gelocht werden konnten.

Begehrtes Andenken: Sabine Pollex (links) vom Verein Historische S-Bahn Berlin gab historische Tickets der Preisklasse 3 aus. Edy Mann aus Erkner freute sich über das Souvenir, das er eigenhändig entwerten durfte. Foto: Anke Beißer
Begehrtes Andenken: Sabine Pollex (links) vom Verein Historische S-Bahn Berlin gab historische Tickets der Preisklasse 3 aus. Edy Mann aus Erkner freute sich über das Souvenir, das er eigenhändig entwerten durfte. Foto: Anke Beißer

Mit etwas Glück war noch der eine oder andere Blick in das alte Gebäude zu erhaschen. Es ist bereits entkernt und wird nun abgerissen. Eigentlich stand in Aussicht, dass es Stein für Stein abgetragen und am neuen Bahnhofsstandort wieder aufgebaut wird. Das hatte sich zuletzt jedoch aus bautechnischen Gründen zerschlagen. Das Gebäude wird jedoch längst wieder, wie von GiB berichtet, originalgetreu aufgebaut.

Neuen Bahnhof auch ins Herz schließen

Ortsvorsteherin Pamela Eichmann freute sich über das rege Interesse und gab den Grünheidern einen Wunsch mit auf den Weg: „Ich hoffe, Sie schließen den neuen Bahnhof genauso in ihr Herz wie den alten.“ (Anke Beißer)