Vorfreude auf Spontanität: Katharina Seefeldt hat Abschied aus dem Rathaus genommen

„Die Lohnbuchhaltung war schon immer meins. Das habe ich schon in meiner Ausbildung zur Industriekauffrau bemerkt. Mir liegt es mehr, mit Menschen zu arbeiten, als Material zu bestellen“, sagt Katharina Seefeldt mit einem Schmunzeln und schaut zufrieden auf ihr Arbeitsleben zurück. Zwar begann eigentlich am 1. November ihr Rentnerleben, sie wollte aber noch den Jahresabschluss 2025 für die Personalkosten erledigen und hat noch ein paar Wochen angehängt. „Am 17. Dezember war dann endgültig Schluss.“ Dabei schwankt sie ein wenig in der Beurteilung, ob sie sich auf ihren neuen Lebensabschnitt freut. „Es ist ja der letzte, das macht schon nachdenklich.“ Aber: „Jetzt ist auch gut und genug.“ Im April wird Katharina Seefeldt 65, ihr Mann Ronald ist schon seit sieben Jahren Rentner. Nun fängt für beide noch einmal ein neuer Alltag an. Und wieder muss sie schmunzeln. „Wir müssen uns da womöglich erst wieder ein bisschen aneinander gewöhnen.“ Sie zweifelt aber nicht daran, dass das klappt, schließlich sind beide seit 46 Jahren glücklich verheiratet.

In Zinndorf aufgewachsen – in Kagel zu Hause

Katharina Seefeldt ist in Zinndorf groß geworden, aber schon als Kind fühlte sie sich in Kagel heimisch. Hier lebten die Großeltern, verbrachte seit jeher viel Zeit. Ihren späteren Mann, er kam aus Altbuchhorst, lernte sie bei einer Party der Jungen Gemeinde in Zinndorf kennen. Beide wurden ein Paar, fanden auf dem Hof der Großeltern ihr Zuhause und haben sich ein schönes Anwesen mit viel Grünfläche geschaffen. Drei Söhne sind hier aufgewachsen. Der jüngste ist heute 40, der älteste 45. Nur der mittlere ist nicht mehr da. Er kam mit körperlichen und geistigen Einschränkungen auf die Welt, wurde von seiner Familie liebevoll durch sein leider nur 39 Jahre währendes Leben begleitet, wäre heute 42 Jahre alt. Fotos zeugen von der schönen Zeit mit ihm, lassen aber auch erahnen, dass diese natürlich herausfordernd war.

Konsum – Kita – Lohnbuchhaltung

Auf alle Fälle hat der Weg, den die heute 64-Jährige nahm, viel mit ihm zu tun. Denn ein Kita-Platz für den Sohn war aufgrund seiner Einschränkungen zu DDR-Zeiten nicht selbstverständlich. Zwischen den beiden Erstgeborenen hatte Katharina Seefeldt im Kageler Konsum eine Verkäuferin in der Baby-Pause vertreten. Mit ihrem zweiten Sohn ist sie mangels Betreuungsmöglichkeit öfter in die Kita gegangen, damit er zumindest Kontakt zu anderen Kindern bekommt. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich die Kagelerin. Und offenbar hatte sie auch einen Draht zu den Kindern. Denn sie wurde gefragt, ob sie nicht als pädagogische Hilfskraft arbeiten möchte. Es sagte ihr zu und so bekam sie ihren Arbeitsvertrag mit der Gemeinde Kagel.

Immer pünktlich Lohn gezahlt

Nach zwölf Jahren – und der inzwischen vollzogenen Fusion zur Großgemeinde – wurde in der Lohnbuchhaltung von Grünheide eine Stelle frei. „Frau Baumann (Renate Baumann war bis vor ein paar Jahren Hauptamtsleiterin, d. Red.) hat sich an mich erinnert und dass mir die Arbeit Spaß macht.“ So sei sie zu ihrem Traumjob gekommen, erzählt Katharina Seefeldt, abermals lächelnd. Seither habe sie immer wieder Seminare für die Weiterbildung besucht. Die Entwicklung sowohl seitens der Gesetze und Regularien als auch der technischen Anforderungen sei in den 22 Jahren rasant gewesen. Anfangs war sie für die Abrechnung der 100 Mitarbeiter zuständig und noch viel mit Handarbeit befasst. Heute sind es 175 Beschäftigte und es gibt die digitale Welt. „Und all die Jahre haben alle immer pünktlich ihren Lohn bekommen.“ Das ist quasi das Vermächtnis, welches sie hinterlässt und auf das sie spürbar stolz ist.

Haus und Hof – „Das ist wie Urlaub.“

Nun also kommt die Familie (wieder) an erster Stelle. Wie sich das Leben gestalten wird, ist Katharina Seefeldt noch nicht so recht klar. Andere, die in Rente gehen, haben oft große Reisepläne. „Wir nicht. Wir verreisen nie. Wir haben Haus und Hof und fühlen uns dort wohl. Wir haben es uns schick gemacht und das ist dann wie Urlaub.“ Um abzuschalten greift sie zu Strick- und Häkelnadeln. Sie freut sich auf die möglich werdende Spontanität. „Wenn jemand sagt, komm lass uns Kaffee trinken, dann geht das einfach so.“ Vier Enkelkinder sind da, auch wenn die schon ausgewachsene Teenies sind. Sie hatte mal über einen Hund nachgedacht. Aber als einer der Söhne den gleichen Gedanken hegte, sagte sie zu sich: „So ein Enkel-Hund ist auch gut. Wir helfen, wenn es gebraucht wird, und dann ist er auch wieder weg.“

Im Kopf bereit für die Rente

Worauf sich die 64-Jährige definitiv freut, sind ihre Bücher. Denn beim Lesen findet sie die beste Entspannung. Von Krimi bis Schnulze – was zwischen zwei Buchdeckel oder auf ihren E-Reader passt, wird aufgesogen. „Ich freue mich drauf. Ich bin im Kopf bereit für die Rente. Ich habe gern gearbeitet, aber jetzt ist mal Schluss.“ (Anke Beißer)