1273 Dosen und rund 100 fleißige Hände geben der kleinen Turnhalle eine neue Haut

Kaum in Worte zu fassen: eine der fast fertigen Wände der kleinen Turnhalle. Foto: Pauline Thiel
Erschöpft, aber glücklich und zufrieden: Teilnehmer des Graffiti-Projekts vor einer der neu gestaltenen Turnhallen-Wände auf dem Löcknitzcampus. Foto: Pauline Thiel

Wer Felix Jahnke, Jugendkoordinator der Gemeinde Grünheide, kennt, der weiß, dass er sich mit Graffiti auskennt. Seit Jahren gibt es das Abschlussprojekt mit den 6. Klassen der Gerhart-Hauptmann-Grundschule, bei dem die Holzhütten auf dem Schulhof besprüht werden. Auch wenn mit solch Kunstwerk eine Gemeindebushaltestelle oder ein Objekt im Olympischen und Paralympischen Leistungszentrum in Kienbaum verschönert sowie Kulissen für den Carnevalsklub gestaltet werden sollen, ist auf sein Können und seine Unterstützung Verlass. Was sich in den Oktoberferien an der kleinen Turnhalle am Löcknitzcampus abspielte, ist allerdings kaum in Worte zu fassen. Seit Monaten wurde im Hintergrund durch den Grünheider an einem ganz besonderen Projekt getüftelt.

Mann der Farben: Jugendkoordinator Felix Jahnke plante und setzte das Graffiti-Projekt um. Foto: Pauline Thiel
Mann der Farben: Jugendkoordinator Felix Jahnke plante und setzte das Graffiti-Projekt um. Foto: Pauline Thiel

Bunte Ideen gegen Schmierereien

Diese Bilder sprechen Bände und beschäftigen Mitarbeitende der Gemeinde immer wieder. Kaum wurde ein Schriftzug entfernt, waren in der Vergangenheit Schmierfinken schnell wieder am Werk, um sich mit einem sogenannten Tag zu verewigen. In diesem Jahr kam die Idee auf, an dem Umstand etwas zu ändern. Und das in der Hoffnung, am Ende nicht nur für das Auge ein schönes Ergebnis zu haben, sondern mit vielen verschiedenen Akteuren eine so breite Akzeptanz der gestalteten Wände zu bekommen, dass diese lange in einer ansehnlichen Optik erstrahlen.

Es soll anders werden: der Blick auf die kleine Turnhalle soll endlich in die Umgebung des Löcknitzcampus passen. Foto: Pauline Thiel
Es soll anders werden: Der Blick auf die kleine Turnhalle soll endlich in die Umgebung des Löcknitzcampus passen. Foto: Pauline Thiel
Platz für schöne Blicke: auch die Wand Richtung Wald war bisher eher unspektakulär. Foto: Pauline Thiel
Platz für schöne Blicke: Auch die Wand in Richtung Wald war bisher eher unansehnlich. Foto: Pauline Thiel
Platz vorhanden: die Front mit Blick auf den kleinen Parkplatz wurde nicht ausgelassen. Foto: Pauline Thiel
Tristesse an allen Seiten: Die Front am kleinen Parkplatz ruft regelrecht nach Farbe. Foto: Pauline Thiel

Projekt mit langem Vorlauf

Schnell wurde klar, welcher Mitarbeiter hier die Federführung – besser gesagt die Spraydose – in die Hand nehme soll: Felix Jahnke. Im Sommer begann er zunächst mit einer Umfrage im Grünheider Jugendclub und gab diese anschließend auch an die Einwohner der Gemeinde weiter. Mit gesammelten Vorschlägen, Wünschen und Ideen brachte er, unterstützt von Anne-Kathrin Rochow, Amtsleitung für Soziales, Bildung und Kultur, zum Budget von 5000 Euro aus dem Gemeindehaushalt auch einen Lottomittel-Förderantrag auf den Weg. Dieser wurde vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg mit weiteren 5000 Euro bestätigt.

Ohne Farbe kein Ergebnis: 1273 Dosen warteten neben Kreppklebeband, Masken und Gummihandschuhen auf den Startschuss. Foto: Pauline Thiel
Ohne Farbe kein Ergebnis: 1273 Dosen warteten neben Kreppklebeband, Masken und Gummihandschuhen auf den Startschuss. Foto: Pauline Thiel

Regen und Wind schweißen zusammen

Bereits am Donnerstag, den 22.10., begannen die vorbereitenden Maßnahmen. Abkleben, ausmessen, Proportionen und Grundrisse anbringen. Der gut geplante Zeitrahmen wurde durch Wind und Regen immer wieder durcheinander gewirbelt. Dem Zusammenhalt im Team konnte dies nichts anhaben und in sonnigen Momenten wurde umso fokussierter angepackt.

Gute Laune gegen Wind und Regen: die vielen helfenden Hände ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und arbeiteten mit viel Engagement am Projekt. Foto: Pauline Thiel
Gute Laune gegen Wind und Regen: Die vielen helfenden Hände ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und arbeiteten mit viel Engagement am Projekt. Foto: Pauline Thiel

Verwandlung trister Fassaden 

Draußen dran was Drinnen passiert: an allen Außenwänden ist zu erkennen, wer die Nutzer der Halle sind. Hier der Grünheider Carnevals Klub. Foto: Pauline Thiel
Draußen dran was drinnen passiert: An allen Außenwänden ist zu erkennen, wer die Nutzer der Halle sind – hier der Grünheider Carneval Klub. Foto: Pauline Thiel

Das dieses Mammutprojekt umgesetzt werden konnte, liegt zum Einen an der Vorbereitung und Betreuung von den Jugendkoordinatoren Felix Jahnke und Martin Wiegold. Letzterer fiel vor allem dadurch auf, dass er Helfer organisierte, motivierte und seinem Kollegen tatkräftig den Rücken für das Projekt freihielt. Zudem hatte er den RBB kurzerhand angefragt, der tatsächlich vorbei kam. Jedoch: Ohne die Jugendlichen zwischen 13 und 24 Jahren, die sich größtenteils aus dem Grünheider Jugendclub kennen, das Eltern-Kind-Zentrum, welches Versorgung und Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, den Graffitikünstler Daniel Liedtke, Chris Veranstaltungsservice, M&S Kranservice samt Kranführer und Kollegin Pauline Thiel, Lokales Bündnis für Familie, wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Ausmaß unterschätzt

„Ich sprühe bereits seit gut fünf Jahren mit den Kids aus der Gemeinde. Daher haben viele schon einiges drauf und konnten auch selbstständig Flächen übernehmen“, resümiert Felix Jahnke. „Dennoch muss ich sagen, dass ich das Projekt trotz aller Vorbereitung unterschätzt habe. Ich bin wirklich stolz, auf das was wir hier nun gemeinsam erschaffen haben.“ Sogar spontane Hilfe aus dem Hort Grünheide wurde mobilisiert. Aus einem Besuch einer Kindergruppe am Montagabend haben sich mit Rücksprache sieben Kinder bereiterklärt, Blumen zu sprühen und nun gehören auch sie zu den rund 100 Händen, die an diesen Fassaden mitgewirkt haben.

Vorbeikommen und Staunen

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es schier unglaublich ist, was eine Gemeinschaft erreichen kann, wenn sie Kräfte zusammen in ein Projekt stecken. Anstrengung, Freude und Staunen über das Vollbrachte schweißen zusammen. Jedem, der die kleine Turnhalle bisher noch nicht im neuen Glanz gesehen hat, ist wärmstens ans Herz gelegt, das schnell nachzuholen. (Pauline Thiel)