Es sei ein eher ruhiges Jahr gewesen, beginnt Bürgermeister Arne Christiani im Gespräch mit „Grünheide im Blick“ seinen Rückblick auf 2025. Dabei habe es an wichtigen Terminen keinesfalls gemangelt. Die wegweisenden Weichen, teils begleitet von langwierigen Diskussionen und einer Reihe von Hemmnissen, wurden in der Regel bereits in den Jahren davor gestellt. So geht es jetzt um die Umsetzung – beim genauen Hinsehen aber nicht weniger spannend.
Erste Spatenstiche im Akkord
Gleich viermal stand in diesem Jahr ein „erster Spatenstich“ an. Am 4. April gab es den offiziellen Startschuss für den Neubau des Verkehrshalts Fangschleuse (neu) einschließlich seines Bahnhofsvorplatzes. Im Monat darauf konnte in Hangelsberg der Baubeginn für die Grundschule gefeiert werden, Ende August mit dem Bau des Feuerwehrhauses in Neu-Mönchwinkel losgelegt werden. Und Anfang Oktober erfolgte der erste Spatenstich für die neue Straßenüberführung am alten Bahnhof Fangschleuse.
Enges Zeitkorsett
Was den neuen Bahnhof samt aller ihn tangierenden Vorhaben anbelangt, so kann gar nicht oft genug betont werden, dass das Zeitkorsett schlichtweg eingehalten werden muss. Verzögerungen darf es nicht geben, da an der Bahnstrecke ab 2027 vorerst keine Störungen zugelassen werden, weil die Trasse Umleitungsstrecke für andere Netzausbauten der Deutschen Bahn ist. „Ab dem 14. August 2026 wird sich die Bahnschranke nicht mehr öffnen, wird kein Zug mehr am alten Bahnhof Fangschleuse halten, wird alles über den neuen Verkehrshalt abgewickelt.“ Dann werde der Regio auch dreimal pro Stunde in Grünheide halten, weil der neue Bahnsteig die erforderliche Länge aufweist. Tunnel, Busbahnhof, Parkplätze sowie Radweg nach Gottesbrück – egal, in wessen Verantwortung das jeweilige Teilvorhaben liegt (Gemeinde, Bahn, Landkreis, Land), all das werde zu dem Termin fertig sein müssen. „Nur der Autobahnanschluss Freienbrink Nord wird noch auf sich warten lassen.“

Beim Schulstandort Hangelsberg weist aktuell nichts darauf hin, dass der Fahrplan ins Straucheln gerät. Ende Juni 2026 steht der Kauf der fertigen Einrichtung samt Grundstück an – zum vertraglich vereinbarten Festpreis von 26,4 Millionen Euro. „Die Schule wird dann zur Nutzung freigegeben sein und wir müssen sie noch einrichten.“ Dafür werde derzeit alles vorbereitet. Die Einschulung gemäß der Schulbezirkssatzung solle dann für das Schuljahr 2026/27 am neuen Standort über die Bühne gehen.
Erste Aufträge für Bauvorbereitung in Hangelsberg erteilt
Mit Blick auf die Umgehungsstraße, die eine künftige Überführung der Bahntrasse herbeiführt und damit die Auflösung des beschrankten Bahnübergangs einschließt, spricht Arne Christiani von der ersten Auftragserteilung. Die sei sowohl für die Kampfmittelbeseitigung als auch für die Rodungen und die Absenkung der Oberleitungen erfolgt. Somit könne in absehbarer Zeit mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen werden. Die in der Verwaltung mit einem Schmunzeln „Baumwipfelpfad“ genannte Fußgängerbrücke befinde sich ebenfalls auf einem guten Weg. Derzeit würde noch über den Grundstückserwerb verhandelt, die Bauplanungen seien in Vorbereitung und Ende 2026 das ausgegeben Ziel für die Fertigstellung.
Rohbau steht
Das Feuerwehrhaus in Neu Mönchwinkel, direkt neben dem Heimatmuseum, hat ebenfalls Konturen angenommen. Wenn es 2026 bezogen ist, könne der Bauhof aus dem Mietobjekt in Hangelsberg ausziehen und ins alte Mönchwinkler Depot übersiedeln. Zu dem Spreeauer Objekt gebe es noch keine spruchreifen Pläne.
Doch der Neubau ist längst nicht alles, was für eine bessere Ausstattung im Brand- und Katastrophenschutz in Grünheide getan wird. So wurde 2025 das Depot in Kagel umgebaut, um Platz für ein neues Feuerwehrfahrzeug zu schaffen. Das Vorhaben ist abgeschlossen, das erste neue Auto da. Auf dem Löcknitzcampus werden mit einem Anbau an die große Löcknitzhalle gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mit dem Projekt entsteht ein sogenannter Leuchtturm, der im Katastrophenfall Anlaufpunkt für die Bevölkerung sein soll. Von dem erweiterten Platzangebot profitieren derweil sowohl Schule und Hort als auch die Vereine.

Beim Blick auf 2026 rückt der Bürgermeister auch die Rathausmannschaft in den Fokus. So soll ein Gerätewart eingestellt werden, der sich hauptamtlich um die Feuerwehrtechnik kümmert. Ab Februar soll es in der Verwaltung einen Straßen- und Wegewart geben, der den Straßenzustand sowie die Rad- und Wanderwege beaufsichtigt. „Wir arbeiten ja an einem Konzept für die Anerkennung als Erholungsort, und da gehören auch intakte Wege dazu.“
Grünheide will Temposünder selber stellen
Und, dafür haben die Gemeindevertreter auf ihrer letzten Sitzung 2025 die Basis gelegt: Grünheide will eine Bußgeldstelle einrichten. Heißt, die Gemeinde will künftig selbst Temposündern zu Leibe rücken. Als Schwerpunktstellen für Kontrollen werden die Ortsdurchfahrten anvisiert. Dafür sollen für 80.000 Euro ein Fahrzeug und die erforderliche Messtechnik angeschafft werden. Zudem bedarf es einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, in der diese Aufgabe vom Kreis an die Kommune übertragen wird und die vom Kreistag und der Gemeindevertretung beschlossen werden muss. „Das Innenministerium muss dann noch die Genehmigung erteilen.“ Christiani gibt Anfang April als Ziel aus. Drei Mitarbeiter, davon eine Neueinstellung, sollen mit der Aufgabe betraut werden. Platz finden soll die Bußgeldstelle im Souterrain des Rathauses.
Umzug wird vorbereitet
In den Räumen ist aktuell noch die Bibliothek zu Hause. Diese zieht jedoch mit der Tourist-Info in das ehemalige Café und Restaurant Heidereuter am Markplatz. Die bisherige Tourist-Info wiederum soll gewerblich vermietet werden. „Die Auftragsvergabe für den Umbau wird gerade vorbereitet.“
2026 bringt „ständiges Bändchen-Durchschneiden“
Die Frage, ob es wirklich ein ruhiges Jahr 2025 war, relativiert Arne Christiani dann doch: Es sei weniger turbulent gewesen. Und er weiß schon was das neue Jahr bringt: „Für all die Vorhaben, die mit dem ersten Spatenstich begonnen wurden, können wir für 2026 die Einweihung einplanen.“ Das werde ein „ständiges Bändchen-Durchschneiden“, schmunzelt der Bürgermeister. An Großprojekten mangelt es in Grünheide aktuell wirklich nicht. (Anke Beißer)

